Erkundung von tiefen Grundwasserleitern in Nord-Namibia

Georg Houben1, Markus Wallner1, Stefan Kaufhold1, Christoph Lohe1, Martin Quinger1
1 BGR

P 11.1 in Beiträge zur Hydrogeologie Südamerikas und Afrikas

Der relativ dicht besiedelte Norden Namibias leidet an einer unsicheren und qualitativ unzureichenden Wasserversorgung aus Oberflächenwasser und oberflächennahem Grundwasser, wobei letzteres oft durch Versalzung und bakterielle Kontamination betroffen ist. Langanhaltende Dürreperioden und Überflutungen verschärfen die Situation. Daher war die Entdeckung eines tiefen, Süßwasser führenden Grundwasserleiters im Cuvelai-Etosha-Becken (CEB) Ende der 1990er Jahre von großer Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Region. Allerdings ist sehr wenig über die geologischen und hydrogeologischen Randbedingungen des Multi-Aquifer-Systems bekannt, da zudem ein großer Teil auf angolanischer Seite liegt. Die detaillierte Untersuchung der quantitativen und qualitativen Einflussgrößen ist daher das Hauptziel eines Projektes der technischen Zusammenarbeit zwischen Namibia und Deutschland, das von der Abteilung für Wasser und Forstwirtschaft (DWAF) des namibischen Ministeriums für Landwirtschaft, Wasser und Forst (MAWF) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) seit 2007 durchgeführt wird.

Nach einer Reihe von geophysikalischen Vermessungen (Transientenelektromagnetik) wurden  Bohrungen erstellt. Mit Hilfe der Bohrlochgeophysik wurden drei Grundwasserleiter-Stockwerke identifiziert und mit Pumpversuchen ihre hydraulischen Eigenschaften bestimmt. Das System ist Teil eines Inland-Deltas (Mega-Fan). Das tiefe Stockwerke zeigt eine ausreichende Ergiebigkeit und eine generell gute chemische Beschaffenheit, lokal aber erhöhte Fluorid-Konzentrationen.

Zwei der Bohrungen wurden teilweise, eine durchgehend gekernt. An dem Material wurden umfangreiche geochemische, mineralogische, granulometrische und hydraulische Untersuchungen durchgeführt, um die Genese des Systems und die Rückkopplungen zur Hydrogeologie zu verstehen.

Mit Hilfe von numerischen Modellen sollten die Fließwege und Fließmengen untersucht werden. Allerdings sind belastbare Daten nur für einen relativ kleinen Teil des Gebietes verfügbar. Daher mussten die hydraulischen Begrenzungen des Systems zunächst durch eine systematische Variation der Randbedingungen bestimmt werden. Es konnte festgestellt werden, dass der tiefe Aquifer eine, wenn auch kleine, Grundwasserneubildung am Fuße des angolanischen Berglandes erfährt, eine nachhaltige Nutzung also prinzipiell möglich ist (Wallner et al. 2017). Die Ergebnisse der Untersuchungen liefern die Basisdaten für die geplante zukünftige nachhaltige Nutzung.



Wallner, M.; Houben, G.; Lohe, C.; Quinger, M. & Himmelsbach, T. (2017): Potential groundwater recharge to the confined semi-fossil Ohangwena II Aquifer, Namibia – Inverse modeling and uncertainty analysis.- Hydrogeology Journal [im Druck]