Folgen von reduzierten Grundwasserentnahmen: Fallbeispiel Delft (Niederlande)

Frans Roelofsen1, Neeltje Goorden1, Johannes van Meerten1, Bernhard Becker1
1 Deltares

O 6.3 in Grundwasserhochstände – Prozesse, Risiken, Planungshilfen

23.03.2018, 16:15-16:30, 3

Seit 1916 wird im Zentrum der Stadt Delft von der Firma DSM Gist Grundwasser entnommen. Im Laufe der Jahre ist die Entnahmemenge stetig gewachsen. 1996 wurde der Firma DSM Gist ein Wasserrecht zur Entnahme von 13,5 Mio. m³ pro Jahr gewährt. Mittlerweile hat sich die Situation dahingehend entwickelt, dass DSM Gist immer weniger Wasser verbraucht. Im Rahmen des Delft-Cluster-Projektes „Grondwatereffecten aan de oppervlakte (gebracht)“ (Roelofsen et al. 2008) wurde zum einen ein Monitoringkonzept entwickelt und zum anderen ein Modellierungsinstrument zur Prognose der Effekte eines Rückgangs der Grundwasserentnahmen. Dieses Modellierungsinstrument besteht aus einem dreidimensionalen geologischen Modell, einem Grundwassermodell, einem Modell für die Grundwasserbeschaffenheit, einem Oberflächenwassermodell für die Hydraulik und Gewässergüte der Entwässerungskanäle im Untersuchungsgebiet und einem geotechnischen Modell zur Prognose der Bodenbewegungen (Setzungen und Hebungen). Neben Effekten auf Grundwasserstand und Wasserbeschaffenheit zeigten Prognoseberechnungen mit dem integrierten Modellinstrumentarium, wo mit Hebungen zu rechnen ist. Die Hebungen infolge der reduzierten Grundwasserentnahme können zu Schäden an Gebäuden führen. Auch wurde analysiert, wie sich die Entnahmereduzierung auf die Wasserspiegel in den die Stadt Delft durchziehenden Kanälen auswirkt (Bild).

Auf die mit dem Rückgang der Entnahmen verbundenen Effekte müssen sich die Stadt Delft und die umliegenden Gemeinden und auch der zuständige Wasserverband einstellen. Mittlerweile hat die im Jahre 2008 untersuchte Reduktion der Grundwasserentnahmen begonnen, so dass geplante Maßnahmen zur Schadensminderung (im Wesentlichen erhöhte Drainage im Rahmen der Polderentwässerung) nun umgesetzt werden müssen.

Die Untersuchung hat dazu beigetragen, dass die Gesetzgebung in den Niederlanden dahingehend geändert wurde, dass nicht nur für Entnahmen, sondern auch für eine Reduzierung der Entnahmen eine Genehmigung der zuständigen Behörden eingeholt werden muss.

Kanäle im Stadtgebiet Delft mit Wasserstandsänderungen > 25 cm sowie Grundwasserstandsänderung (Stijghoogteverandering) infolge reduzierter Entnahmen DSM Gist
Kanäle im Stadtgebiet Delft mit Wasserstandsänderungen > 25 cm sowie Grundwasserstandsänderung (Stijghoogteverandering) infolge reduzierter Entnahmen DSM Gist



Roelofsen, F. et al., 2008: Grondwatereffecten aan de oppervlakte (gebracht) / Onderzoek naar effecten van stopzetting grondwateronttrekking DSM Delft – Hoofdrapport Deltares, Bericht Nr. 2008-U-R0960/A (092.35161).



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