Methodenvergleich zur Ermittlung der Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung an ausgewählten Standorten in Hessen

Kristina Hengsberger1
1 Institut für Angewandte Geowissenschaften, Technische Universität Darmstadt

O 19.8 in Forum Junge Hydrogeologen

21.03.2018, 14:15-14:30, 3

Die Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung wird in den staatlichen geologischen Diensten vorwiegend über die auf einem Verweilzeitenmodell basierende Methode nach Hölting et al. (1995) ermittelt. Vor allem international werden jedoch viele weitere Methoden angewendet, um die Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung bzw. die Verschmutzungsempfindlichkeit des Grundwasserkörpers abzubilden. (Magiera, 2000)

Vorgestellt werden soll der Vergleich der Punktbewertungsmethode nach Hölting et al. mit fünf weitere Punkt- bzw. Indexverfahre. Die Resultate aus dem für Hessen bereits existierenden Modell nach Hölting et al. werden demnach den Ergebnissen aus den Verfahren DRASTIC, SINTACS, SI, AVI und GOD gegenübergestellt. Die Auswahl dieser Verfahren wurde anhand der vorhandenen Daten im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie getroffen. Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Vor- und Nachteile, sowie ggf. Verbesserungsvorschläge werden herausgearbeitet. Ein Fokus liegt dabei auch auf den möglicherweise unterschiedlichen Einflüssen der Methoden auf die Ergebnisse in Gebieten mit Kluft- und Porengrundwasserleitern. Dementsprechend wurde ein Standort mit Porengrundwasserleiter (Babenhausen) und ein Standort mit Kluftgrundwasserleiter (Fulda-West/Großenlüder) ausgewählt.

Die Methoden DRASTIC, SINTACS, SI ähneln dem Verfahren nach Hölting et al.. Sie basieren auf einem gewichteten Punktbewertungssystem und unterscheiden sich untereinander in Auswahl und Wichtung der jeweiligen Parameter. Die Verfahren AVI und GOD beziehen, im Vergleich zu den anderen Methoden, nur zwei bzw. drei Parameter in die Berechnung des Indexwertes ein und sind daher für mögliche Untersuchungen in Gebieten mit geringer Datenlage von Interesse.

Alle Methoden basieren auf einer abschließenden Klasseneinteilung der Punkt- bzw. Indexwerte von z.B. „hoch empfindlich“ bis „gering empfindlich“ für Verschmutzungen und einer daraus entstehenden graphischen Darstellung in Schutzfunktions- bzw. Verschmutzungsempfindlichkeitskarten.

Die Definition der Vulnerabilität des Grundwassers nach Vrba & Zaporozec (1994) als eine „relative, nicht messbare, dimensionslose Eigenschaft“ zeigt die aufkommende Problematik beim Vergleich der erstellten Schutzfunktions- bzw. Verschmutzungsempfindlichkeitskarten. Unterschiedlichen Klasseneinteilungen, die damit einhergehende unterschiedliche Definition von „hoch“ bzw. „gering“, sowie die Qualität der Daten müssen bei der Nutzung berücksichtigt werden.

Neben der Anwendung der Methoden wird deshalb auch Bezug auf die praxisbezogene Nutzung der Modelle genommen und jedes Modell einer kritischen Betrachtung unterzogen.



Hölting, B., Haertle, T., Hohberger, K.-H., Nachtigall, K.H., Villinger, E., Weinzierl, W., Wrobel,

J.-P. (1995). Konzept zur Ermittlung der Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung,

Geologisches Jahrbuch, Reihe C, Band 63, S. 5-24.

 

Magiera, P. (2000). Methoden zur Abschätzung der Verschmutzungsempfindlichkeit des

Grundwassers, Grundwasser, Band 3, S. 103-114.

 

Vrba J., Zaporozec A. (1994). Guidebook on mapping groundwater vulnerability, International

Association of Hydrogeologists, International Contributions to Hydrogeology, Vol. 16, Verlag Heinz Heise, Hannover



Export as iCal: Export iCal