Hochwassersichere Brunnenabschlussbauwerke in Indien

Cornelius Sandhu1, Fabian Musche1, Thomas Grischek1, Prakash Kimothi2
1 Fakultät Bauingenieurwesen / Architektur, Lehrgebiet Wasserwesen, Hochschule f. Technik u. Wirtschaft Dresden
2 Uttarakhand Emergency Assistance Project, Cooperation Centre for Riverbank Filtration (CCRBF), Dehradun, Indien

O 10.8 in Wasser und Umwelt in Südostasien

24.03.2018, 11:15-11:30, 2

Die Uferfiltration (UF) hat ein großes Potential in Indien und wird zunehmend als Alternative zur konventionellen Oberflächenwasseraufbereitung genutzt. Der direkte Eintrag von Oberflächenwasser in Brunnen während Monsun-Hochwasserereignissen und die daraus resultierende Kontamination und Zerstörung der Brunnenbauwerke sind jedoch ein Risiko für die Trinkwasserversorgung in Indien und anderen Ländern Asiens.

Im Rahmen des deutsch-indischen BMBF-Client-Verbundvorhabens NIRWINDU (2015-2018) wurde ein Konzept für eine hochwassersichere und ganzjährige Trinkwassergewinnung durch UF in Indien erarbeitet. In Srinagar wurde ein hochwassersicheres Brunnenabschlussbauwerk realisiert, bestehend aus einem in Indien hergestellten wasserdichten Brunnenkopf und einem überflutungssicheren Brunnenschacht (Abb. 1). Parallel dazu wurde eine Methodik zur Untersuchung der Dichtheit von Schachtabdeckungen entwickelt und an Vertikalfilterbrunnen am UF-Standort Torgau-Ost in Deutschland und anschließend in Uttarakhand am UF-Standort Srinagar getestet. Bei Untersuchungen in Deutschland wurde die Dichtheit neuer, überflutungssicherer Schachtabdeckungen bis zu einem Druck von 1,4 mWS nachgewiesen. Eine dauerhafte Dichtheit erfordert eine regelmäßige Überprüfung und Reinigung der Gummidichtungen und Kontaktflächen. Die Untersuchungsergebnisse und Erfahrungsberichte ergaben neben den Schachtabdeckungen weitere Schwachstellen bei Brunnenabschlussbauwerken. Feldversuche in Indien zeigten, dass mithilfe eines überflutungssicheren Brunnenkopfes und zusätzlicher horizontaler Abdichtung des Brunnennahraums ein direkter Eintrag von Oberflächenwasser verhindert und der Brunnen im Hochwasserfall weiter betrieben werden kann.

Während in vielen europäischen Ländern Maßnahmen zur Hochwassersicherung von Brunnen durch die Wasserversorger durchgeführt werden, sind die meisten Unternehmen in Nordindien unerfahren im Bau von hochwassersicheren Brunnenabschlussbauwerken. Eine Marktrecherche in Indien zeigte, dass die praktische Implementierung solcher Maßnahmen aufgrund von technischen, institutionellen und industriellen Aspekten eine Herausforderung darstellt. Zwar besteht seitens Wasserversorger in einigen indischen Bundesländern Interesse am Bau hochwassersicherer Brunnenabschlussbauwerke, der Bau ist allerdings nur durch eine entsprechende Ausbildung von Ingenieuren, Brunnenbauern und potentiellen Herstellern von wasserdichten Brunnenköpfen in Indien realisierbar.

Überflutungssicherer Brunnenschacht am Uferfiltrationsstandort in Srinagar (Uttarakhand, Indien, September 2017)
Überflutungssicherer Brunnenschacht am Uferfiltrationsstandort in Srinagar (Uttarakhand, Indien, September 2017)





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