Erschließung kluftdominierter Aquifere - Sidetrack Geretsried GEN-1ST-A1 (Malm Süddeutschland)

Michael Dussel1, Inga Moeck1
1 Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG)

O 3.1 in Tiefengeothermie und Tiefengrundwasser

23.03.2018, 15:45-16:00, 2

Der verkarstete und geklüftete Malm (Oberjura) im Süddeutschen Molassebecken stellt kurz- und mittelfristig das bedeutendste tiefengeothermische Reservoir in Deutschland dar. Während bislang geothermische Anlagen hauptsächlich im Großraum München abgeteuft wurden, wandern neuerdings neue Projekte weiter nach Süden in Richtung der gefalteten Molasse. Der im Oktober 2017 bis in eine Endteufe von 5700 m (MD) abgeteufte Sidetrack GEN-1ST-A1 in der bereits im Jahr 2013 gebohrten und nicht fündigen Stammbohrung Geretsried GEN-1 wurde im Rahmen des Forschungsverbundprojektes „Dolomitkluft“ (Projektpartner: ENEX, LIAG, TUM, GTN und G.E.O.S) in gestörte und geklüftete Kalke des Oberjuras (Malm) abgelenkt. Eine im Vorfeld der Bohrung ausgeführte Geophonversenkmessung (VSP) führte zu einer Verbesserung des Geschwindigkeitsmodells und dies wiederum zu einem genaueren 3D-Untergrundmodell der vorhandenen 3D Seismik. Auf Grundlage dessen wurde als Bohrziel der Zwickel eines Y-Grabens in rund 4,5 km Tiefe identifiziert. Gegenüber allen bislang im Süddeutschen Molassebecken abgeteuften Geothermiebohrungen wurden in der Bohrung Geretsried GEN-1ST-A1 zum ersten Mal Bohrkerne gewonnen, die eine verbesserte petrophysikalische und hydraulische Charakterisierung der gestörten und geklüfteten Karbonate des Oberjura ermöglichen. Totaler Spülungsverlust im mikritisch ausgebildeten höheren Malm deutet bereits während des Bohrvorgangs auf eine wesentlich höhere Gebirgsdurchlässigkeit als in der Stammbohrung GEN-1.

Danksagung:

Das Forschungsverbundprojekt “Dolomitkluft” wird finanziert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (FKZ 0324004).



Export as iCal: Export iCal