Vorkommen von organischen Spurenstoffen (Arzneimittel, Pestizide) im Grundwasserleitern in Nordrhein-Westfalen

Osman Can Kandemiroglu1, Frank Wisotzky
1 Angewandte Geologie, Ruhr-Universität Bochum

P 16.3 in Trinkwasser und Wasserversorgung

Nordrhein-Westfalen weist als bevölkerungsreichstes (rund 18 Millionen Einwohner) Bundesland den weitaus höchsten Trinkwasserbedarf in der Bundesrepublik auf. Für die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser werden in NRW jährlich ca. 1,12 Mrd. m3 Wasser aus ober- und unterirdischen Vorkommen gewonnen. Der überwiegende Teil des Trinkwassers (annähernd 85%) wird in Nordrhein-Westfalen aus Grundwasser oder Wässern mit Grundwasseranteilen bereitgestellt, insbesondere in der Niederrheinischen Bucht und im Münsterland [1].

Immer neue organische Spurenstoffe (Arzneimittel, Pestizide) tauchen in größer Mengen in Oberflächengewässern, Grundwasser- und Trinkwasserproben auf und damit gefährden sie Trinkwasserressourcen und die Umwelt [2, 3, 4]. Arzneimittel (z.B. Carbamazepin, Diclofenac, Ibuprofen, Östrogenhormone (z.B. 17α-Ethinylestradiol, 17β-Östradiol), Röntgenkontrastmitteln (z.B. Iopromid, Iopamidol, Iomeprol), Tierarzneimittel (z.B. Sulfonamide)) [5] und Pestizide (z.B. Atrazin, Bromacil, Chloridazon und deren Metabolite, Dimethylsulfamid) haben eine zunehmende Bedeutung in Grundwasserleitern, die für die Wassergewinnung in Nordrhein-Westfalen genutzt werden. 

In den letzten Jahren wurde in wenigen Studien die Umweltrelevanz von Arzneimitteln untersucht (ERAPharm, KNAPPE, PILLS, PHARMAS, Poseidon). Es liegen jedoch noch Erkenntnislücken zum Verhalten dieser Stoffe im Grundwasserleiter und bei der Trinkwasseraufbereitung vor. Diese Lücken sollen im Rahmen dieses Projektes geschlossen werden. Dabei wird neben einer Literaturrecherche die Belastungssituation in Nordrhein-Westfalen anhand der vorhandenen Daten gesichtet und vertiefend ausgewertet. Anschließend soll in Kooperation mit Wasserversorgungsunternehmen in Nordrhein-Westfalen das Auftreten der organischen Spurenstoffen (Arzneimittel, Pestizide) in Grundwasserleitern, die zur Trinkwasserbereitstellung genutzt werden, untersucht werden. Daraus soll eine Beschreibung zum Auftreten und Verhalten dieser Stoffe in den bearbeiteten Aquiferen abgeleitet werden.



[1] LANUV (2013): LANUV-Daten aus der WasEG-Erhebung. https://www.lanuv.nrw.de/umwelt/wasser/wasserversorgungtrinkwasser/trinkwasserressourcen_herkunft_des_trinkwassers/

[2] UBA (2014): Arzneimittel in der Umwelt – vermeiden, reduzieren, überwachen. Hintergrundpapier. Dessau-Roßlau. https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/arzneimittel-in-der-umwelt-vermeiden-reduzieren

[3] LANUV (2007): Eintrag von Arzneimitteln und deren Verhalten und Verbleib in der Umwelt – Literaturstudie. Fachbericht 2. Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen Recklinghausen 2007. https://www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuvpubl/3_fachberichte/30002.pdf

[4] UBA (2011): Zusammenstellung von Monitoringdaten zu Umweltkonzentrationen von Arzneimitteln. Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Berlin/Dessau-Roßlau. Forschungskennzahl 36014013. UBA-Texte 66/2011. http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/zusammenstellung-von-monitoringdaten-zu

[5] UBA (2014): Antibiotika und Antiparasitika im Grundwasser unter Standorten mit hoher Viehbesatzdichte. – FuE-Bericht (FKZ 3711 23 225) im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Berlin/Dessau-Roßlau, UBA-FB 001897. www.umweltbundesamt.de/publikationen/antibiotika-antiparasitika-im-grundwasser-unter