Detailerkundung zur Verbesserung des hydrogeologischen konzeptionellen Modells im südlichen Mekong Delta

Armin Pechstein1, Florian Jenn1, Thi Hanh Hoang2, Hoai Nam Le2, Roland Bäumle1
1 FB Grundwasserressourcen – Beschaffenheit und Dynamik, BGR
2 Improvement of groundwater protection in Vietnam (IGPVN)

O 10.6 in Wasser und Umwelt in Südostasien

24.03.2018, 10:15-10:30, 2

Die Grundwasserressourcen des Mekong Deltas geraten immer stärker unter Druck. Sowohl die Intensivierung der landwirtschaftlichen und industriellen Nutzung des Deltas, als auch vermehrt auftretende Dürreperioden und das verringerte Dargebot von Oberflächenwasser des Mekong, tragen zur verstärkten Nutzung des Grundwassers als Frischwasserressource bei. Seit den 1990er Jahren hat die Grundwasserförderung im Delta deshalb stark zugenommen. Dem gegenüber stehen eine begrenzte Grundwasserneubildung, die Gefahr von Salzwasserintrusion, sowie das Problem von Landsetzung als Folge fallender Grundwasserstände. Für die zukünftige Nutzung der Ressource Grundwasser und die Anpassung der Region an den Klimawandel sind qualifizierte Untersuchungen zur Grundwasserverfügbarkeit entsprechend dringend.

Das Grundwassersystem des Mekong-Beckens besteht aus 7 Grundwasserstockwerken mit eingeschalteten Aquitarden. Wiederholte Transgressionen und Regressionen führten seit dem Miozän zur Ausbildung einer sedimentären Beckenfüllung mit Mächtigkeiten zwischen 180 und >500m. Die an der Oberfläche anstehenden 12 bis 40 m mächtigen holozänen Tone limitieren die direkte Grundwasserneubildung, speziell für die tieferen Aquifere. Basierend auf 14C-Datierungen wird das Alter der teils salinen Grundwässer auf 10.000 bis > 40.000 Jahre geschätzt. Aufzeichnungen der letzten Jahre zeigen fallende Grundwasserstände zwischen 23 und 54 cm/a [Jenn et al., 2017].

In Anbetracht der komplexen hydrogeologischen Situation und der starken Bewirtschaftung steht die zukünftige Nutzung der Ressource Grundwasser vor erheblichen Herausforderungen. Dem gegenüber ist die hydrogeologische Datengrundlage jedoch begrenzt. Es existiert eine relativ grobe hydrogeologische Vorstellung der hydrogeologischen Prozesse, welche zumeist qualitative beschrieben sind, quantitative jedoch oft nicht erfasst werden. Dies betrifft sowohl die Verbreitung von salinen Grundwässern, die Grundwasseraltersverteilungen, als auch die Bestimmung von Aquifer-Parametern, die Quantifizierung von Leakage und die Erstellung verlässlicher Grundwassergleichenpläne.

Zur Beurteilung der Grundwasserressourcen wurde die Provinz Ca Mau im Süden des Mekong Deltas exemplarisch ausgewählt, um existierende Datenbestände zu beurteilen und neue hydrogeologische Untersuchungen zur Verbesserung der hydrogeologischen Konzeptvorstellung durchzuführen. Die entsprechenden Geländearbeiten konzentrieren sich auf Tracer- und Pumpversuche, die Erfassung und Beurteilung der Hydrochemie und die Grundwasserdatierung. Somit erfolgt eine Beurteilung und Quantifizierung hydrogeologischer Prozesse und Parameter vorerst auf lokaler Ebene. Ziel ist es, die bestehende hydrogeologische Modellvorstellung zu verbessern und anschließend auf die regionale Skala zu übertragen.



JENN, F., HOANG, T. H., LE, H. N., PECHSTEIN, A., NGUYEN, T. A. T. (2017): Baseline Study Cà Mau - Review of studies on groundwater resources in Cà Mau Province. IGPVN Technical Report III-2, Hanoi



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