Verfahren zur rückblickenden Untersuchung von bergbaulich unbeeinflussten Grundwasserflurabständen im Ruhrgebiet

Florian Werner1, Johannes Meßer
1 Emscher Wassertechnik GmbH

O 6.5 in High groundwater - processes, risks, planning aids

23.03.2018, 16:45-17:00, 3

Der Flurabstand ist ein landschaftsprägendes Element an den Ökosysteme und Nutzungsformen angepasst sind, Änderungen sind daher problematisch. Die Ursachen für Änderungen können vielfältig sein. Eine veränderte Flächennutzung kann ebenso die Grundwasserstände beeinflussen wie wasserbauliche Maßnahmen an Fließgewässern. Beide Ursachen treten in Deutschland nahezu flächendeckend auf. Die Auswirkungen werden in heutiger Zeit meist negativ wahrgenommen, sie sind im Hinblick auf die Verursachung aber ein Nebeneffekt unserer kulturellen Entwicklung, für die niemand zur Verantwortung gezogen werden kann. Ähnlich kann man die Veränderungen durch den bereits erfolgten Klimawandel auffassen.

Schwierig ist die Einordnung bei Veränderungen, die auf ein konkretes Handeln bestimmter Verursacher zurückzuführen sind, wie beispielsweise Veränderungen der Geländeoberfläche oder große Entnahmen aus dem Grundwasser. Unübersichtlich wird die Lage, wenn sich die Ursachen überschneiden, was beim Bergbau im Ruhrgebiet und der Verzahnung von Bergbaueinwirkung und städtebaulicher sowie wasserbaulicher Entwicklung sicher der Fall ist. Die Wirkung des Bergbaus auf den obersten Grundwasserleiter erfolgte im Wesentlichen durch Bergsenkungen, in Folge der Entnahme von Steinkohle in großen Tiefen. Dadurch entstehen Senkungsmulden, in denen die Oberfläche bis zu 20 m abgesenkt sein kann. Die Regelung der Entwässerung dieser Bereiche ist ein wesentlicher Teil der sog. Ewigkeitslasten des Bergbaus. Die mit der Oberfläche lokal abgesenkten Fließgewässer (Vorfluter) entwässern die Grundwasserleiter weiterhin, solange ihr Abfluss aus Tieflagen über Pumpwerke geregelt wird.

Die unterirdische Kanalisation ist an vielen Orten im Ruhrgebiet meist alterungsbedingt stark geschädigt und generiert durch eindringendes Grundwasser unerwünschtes Fremdwasser im Abwassersystem. Bei einer Abdichtung der Kanalisation kommt es in den Grundwasserleitern des obersten Stockwerkes zu einem Grundwasseranstieg. Die nachbergbaulich sich einstellenden Grundwasserstände wurden durch die undichte Kanalisation verschleiert, so dass den Bewohnern, Bauherren, Architekten und Grundwasserfachleuten die „wahren“ Grundwasserstände nicht bekannt waren.

Die Ermittlung des bergbaubedingten Einflusses ist jedoch wegen der Verflechtung verschiedenster Veränderungen nicht einfach durch den Vergleich mit historischen Messwerten möglich, sondern eine Epignose. Ein einzelner Standort kann sich im Vergleich mit und ohne (statt vor und nach) Bergbau sowohl trockener als auch feuchter darstellen. Mit einem Grundwassermodell können die Wirkungen der Eingriffe in das Grundwassergeschehen getrennt voneinander untersucht werden. Durch einen Vergleich der Flächen mit geringen Grundwasserflurabständen in Wohngebieten kann der Einfluss statistisch sichtbar gemacht werden. In dem Beitrag wird die Vorgehensweise zur Analyse bergbaubedingter Veränderungen und die Anforderungen an das zu verwendende Grundwassermodell erläutert.



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