Tracerversuch zur Untersuchung von Karsteinzugsgebieten bei Sigmaringen (Schwäbische Alb)

Paul Knöll1, Traugott Scheytt1
1 Institut für Angewandte Geowissenschaften, Technische Universität Berlin

P 16.5 in Drinking water and water supply

Eine genaue Kenntnis der Einzugsgebiete von Wasserfassungen und den lokalen Grundwasserströmungsverhältnissen sind Grundlage für einen effektiven Schutz von Trinkwasserreserven. Die Ermittlung der vorherrschenden Bedingungen kann aber unter komplexen geologischen Voraussetzungen sehr schwierig sein. Dies trifft besonders auf Wasserfassungen in Karsteinzugsgebieten und im Bereich von Störungszonen zu. Tracerversuche können in derartigen Gebieten wertvolle Informationen liefern, die anders nicht, oder nur schwierig zu gewinnen sind (Leibundgut et al., 2009).

Im Karsteinzugsgebiet der ehemals Hohenzollernschen Wasserversorgung in Sigmaringen am Südrand der Schwäbischen Alb wurde ein Tracerversuch durchgeführt. Dabei wurde Uranin außerhalb des oberflächlichen Einzugsgebiets einer Quelle, die zur Wasserversorgung genutzt wurde, in die ungesättigte Zone eingegeben. Die Quelle, sowie weitere beobachtete Quellen liegen im Bereich der Grabenrandstörung eines tektonischen Grabens. Ziel der Untersuchungen war zu klären, ob die beobachteten Quellen aus Gebieten jenseits des oberflächlichen Einzugsgebiets gespeist werden, sowie Informationen über Strömungsgeschwindigkeiten und die hydraulische Anbindung der wasserungesättigten Zone an den Grundwasserleiter im Bereich der Störung zu erhalten.

Die Verbindung der Eingabestelle zu drei benachbarten Quellen konnte klar nachgewiesen werden.  Es wurden maximale Abstandsgeschwindigkeiten von 76,3 bis 81,8 m/h ermittelt. Dominante Abstandsgeschwindigkeiten lagen im Bereich von 51,3 bis 57,8 m/h. Die gesamte Wiederfindung des Markierungsstoffs an allen Quellen lag bei 39,8% der eingegebenen Masse. Damit wurde nachgewiesen, dass sich die Quelleinzugsgebiete klar von den oberflächlichen Einzugsgebieten unterscheiden. Zusätzlich wurde eine Trennung der Quelleinzugsgebiete von weiteren benachbarten Quellen deutlich, an denen kein Tracerdurchbruch festgestellt werden konnte.



Leibundgut, C., P. Maloszewski und C. Külls, 2009. Tracers in hydrology. Chichester: Wiley-Blackwell. ISBN 978-0-470-51885-4.