Planungshilfen für Tiefbau- und Hochwasserschutzmaßnahmen in Regionen mit hohen Grundwasserständen

Patrick Keilholz1, Peter Schätzl1, Bertram Monninkhoff1
1 DHI WASY GmbH

O 6.2 in High groundwater - processes, risks, planning aids

23.03.2018, 16:00-16:15, 3

In Deutschland schreitet die Urbanisierung der urbanen Regionen kontinuierlich voran. Nachverdichtung, Ausweisung zusätzlicher Baugebiete und Schaffung neuer Infrastruktur sind derzeit für Städteplaner anspruchsvolle Aufgaben. Dass es dabei zu Konflikten mit Bürgern und Interessenvertretern kommen kann, zeigen zahlreiche prominente Beispiele. In vielen Fällen spielen dabei das Thema Grundwasser und insbesondere die potenzielle Erhöhung maximaler Grundwasserstände durch die Maßnahmen bei den Bedenken eine wesentliche Rolle.

Anhand unterschiedlicher erfolgreicher Projekte aus der Region um München wird eine Planungshilfe zur Konfliktminimierung bei der Umsetzung von Baumaßnahmen im Zusammenhang mit Grund- und Oberflächenwasser vorgestellt. Das Vorgehen umfasst folgende Komponenten:

a.       Frühzeitige Einbeziehung der Bürger

b.      Entwicklung eines systemübergreifenden Verständnisses

c.       Genaue Berechnung der Folgen der geplanten Maßnahme

d.      Allgemein verständliche und visuelle Vermittlung der Berechnungsergebnisse

e.      Beweissicherung vor, während und nach Umsetzung einer Maßnahme

Grundsätzlich müssen die Bedenkenträger ernst genommen werden - einerseits sind ihre Bedenken in vielen Fällen begründet, andererseits aber auch, um unnötige Verzögerungen, z. B. durch gerichtliche Prüfung,  im Planungs- und Umsetzungsprozess zu vermeiden. Die rapide technologische Entwicklung erlaubt es, auch komplexe Wassersysteme modelltechnisch und von Seiten der messtechnischen Begleitung ganzheitlich betrachten zu können. Gekoppelte Modelle sind Stand der Technik, automatische Datenerfassungssysteme können effizient und kostengünstig installiert werden. Abhängig von der Fragestellung können Modelle Grund- und Oberflächenwasserinteraktionen, Grundwasserinteraktion mit dem Kanalnetz oder Einfluss von Starkregen auf das Grundwasser räumlich und zeitlich hochauflösend abbilden. Gerade in letzterem Fall zeigen sich deutlich die Vorteile der Wassersystemmodellierung. In der Vergangenheit wurden oftmals die Grundwasserneubildungsraten auf Monatswertbasis angenommen, oder Simulationen kurzer Ereignisse gar mit langjährigen Mittelwerten durchgeführt. Der Einfluss von Starkregen wurde dadurch nahezu komplett ignoriert. In den vorgestellten Projekten erwies sich gerade der kurzfristige Einfluss des Niederschlags (auf Stunden- bzw. Tageswertbasis) auf das Grundwasser als hochgradig signifikant. Solche hochgradig instationären und räumlich differenzierten Prozesse können allen Beteiligten, insbesondere den fachfremden Akteuren, nur durch entsprechende Visualisierung, z. B. mithilfe von Animationen, adäquat und einfach verständlich vermittelt werden. In den vorgestellten Projekten hat sich diese Arbeitsweise bewährt und es konnten unterschiedliche Hochwasserschutzmaßnahmen (Flutpolder, Deichrückverlegung) und Baumaßnahmen inkl. Bauwasserhaltung (Tiefgaragen) erfolgreich geplant werden, ohne im Umfeld die Problematik der Grundwasserhöchststände weiter zu verschärfen.

Systemablauf der Planungshilfe für Tiefbau- und Hochwasserschutzmaßnahmen in Regionen mit hohen Grundwasserständen
Systemablauf der Planungshilfe für Tiefbau- und Hochwasserschutzmaßnahmen in Regionen mit hohen Grundwasserständen



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