Hohe Grundwasserstände - Planungshilfen für Kommunen und Bauherren

Linda Dworak1, Hans Willy1, Bernhard Pitschka1, Jörg Neumann1
1 Bayerisches Landesamt für Umwelt, Hans-Högn-Str. 12, 95030 Hof

O 6.1 in High groundwater - processes, risks, planning aids

23.03.2018, 15:45-16:00, 3

Als Folge extremer Niederschläge und im Zusammenhang mit Hochwasserereignissen werden durch hohe Grundwasserstände regelmäßig Schäden auch außerhalb überschwemmter Gebiete verursacht. Häufige Anfragen von Bürgern an die Wasserwirtschaftsverwaltung unterstreichen die Bedeutung dieser Thematik. Nach dem letzten großen Hochwasser 2013 wurde in Bayern auf Projektbasis begonnen, vorhandene Daten systematisch auszuwerten, um darauf aufbauend potentiell betroffene Bereiche abzugrenzen. Ziel des Vorhabens ist die Erstellung einer flächendeckenden Hinweiskarte. Mit dieser Planungshilfe, sowie begleitenden Erläuterungen sollen die verschiedenen Zielgruppen – Bürger, Bauherren, Planer, Genehmigungsbehörden, Wasserwirtschaftsverwaltung – angesprochen werden.

Das Vorkommen hoher Grundwasserstände in Bayern ist eng an die naturräumliche Ausgangslage gebunden. Großflächig treten hohe Grundwasserstände in weiten Flusstälern, Ebenen und Niederungen mit Moorbildung auf. Abseits der Flusstäler bestimmt die räumliche Verbreitung oberflächennaher Grundwasserleiter das Auftreten hoher Grundwasserstände. Dies trifft insbesondere auf die Porengrundwasserleiter des Süddeutschen Molassebeckens zu. In den Festgesteinsgebieten Bayerns (Alpenraum und Nordbayern) sind hohe Grundwasserstände zumeist auf die Niederungen der schmalen Talkorridore begrenzt. Eine Besonderheit ist die häufig flache Lagerung oberflächennaher, grundwasserstauender Schichten des Schichtstufenlandes, die Grundwasservorkommen in geringer Tiefenlage mit flächigen Vernässungszonen hervorrufen können.

Direkte und verlässliche Informationen zum höchsten gemessenen Grundwasserstand können mit Hilfe von Grundwassermessstellen und langjährigen Zeitreihen ermittelt werden. Die geringe Dichte und ungleichmäßige Verteilung der Messstellen bietet jedoch keine ausreichende Datenbasis für eine bayernweite Hinweiskarte. Zur flächendeckenden Erhebung von Gebieten mit hohen Grundwasserständen müssen deshalb weitere räumlich differenzierte Informationen herangezogen werden. Eine wichtige Zusatzinformation stellen die sogenannten „Wassersensiblen Bereiche“ (WSB) dar, die nahezu landesweit vorliegen. Diese repräsentieren die in der Bodenkundlichen Landesaufnahme kartierten grundwasserbeeinflussten bzw. grundwassernahen Böden. Weitere Datengrundlagen sind Überschwemmungsgebiete und Hochwassergefahrenflächen, Flurabstandskarten und Grundwassermodelle, Geologische und Hydrogeologische Karten sowie das Gewässernetz in Verbindung mit dem Digitalen Geländemodell. Die in der Wasserwirtschaftsverwaltung vorhandenen Bohrdaten und Ortskenntnisse ergänzen die verarbeiteten Daten. Im Rahmen des Projektes wurde eine standardisierte, GIS-gestützte Vorgehensweise entwickelt, mit der die unterschiedlichen Informationsebenen miteinander verschnitten werden. Das Ergebnis ist die „Hinweiskarte Hohe Grundwasserstände“ im Maßstab 1:500 000 für Bayern, die aktuell in einer Entwurfsversion vorliegt und spätestens 2019 veröffentlicht werden soll.



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