Reduzierung diffuser Stoffeinträge in die Gewässer – Das neue DVGW-Arbeitsblatt W 104

Richard Beisecker1
1 Ingenieurbüro für Ökologie und Landwirtschaft (IfÖL)

O 13.1 in Nitrate and the importance of denitrification for water supply

22.03.2018, 15:45-16:00, 3

Die Gewässerbelastungen aus der Landwirtschaft, insbesondere der Einträge von Nitrat sowie der Wirkstoff(reste) und der relevanten (rM) und nicht relevanten Metaboliten (nrM) der Pflanzenschutz- und -behandlungsmittel (PSBM), sind nach wie vor zentrale Probleme des Gewässerschutzes in Deutschland. Wie der Nitratbericht (2016) der Bundesregierung einmal mehr bestätigt, gibt es immer noch erhebliche Defizite bei der Umsetzung der Nitratrichtlinie in Deutschland. Auch wenn mittlerweile das DüG und die DüV novelliert wurden und es einen Entwurf zur StoffBilV gibt, werden diese Vorgaben zur guten fachlichen Praxis bei der Düngung nicht ausreichen, die Qualitätsziele des WHG, die in den Schwellenwerten der GrV und den UQN der OGewV festgelegt sind, zu erreichen (Beisecker, 2017).

Der Deutsche[r] Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) hat bereits im Oktober 2004 das Arbeitsblatt W 104 – Grundsätze und Maßnahmen einer gewässerschützenden Landbewirtschaftung veröffentlicht, das aktuell überarbeitet und 2016 als Gelbdruck (DVGW, 2016) veröffentlicht wurde. Das Arbeitsblatt W 104 mit dem Status einer technischen Regel gibt einen Überblick über die Grundsätze und Maßnahmen für die flächendeckende und standortspezifische Umsetzung einer gewässerschützenden Landbewirtschaftung. Die Beachtung dieser Grundsätze und Maßnahmen soll die Einhaltung maximal tolerierbarer Emissionswerte sicherstellen, um die Bewirtschaftungsziele des WHG zu erreichen. Bezüglich der Nitratbelastung ist als Zielwert für den Gewässerschutz ein Nitrataustrag von maximal 10-40 kg·N/(ha·Jahr) einzuhalten, um langfristig Nitratkonzentrationen an der Grundwasseroberfläche von <50 mg/l zu gewährleisten.

Zur Erfolgskontrolle der gewässerschützenden Landbewirtschaftung gibt es spezifische Verfahren und Methoden, die in Bezug auf die Stickstoffproblematik im DVGW Arbeitsblatt W 104-2 (M) (DVGW, 2013) (inhaltsgleich mit dem Merkblatt DWA-M 911) mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen erläutert sind. Zur Beurteilung der N-Effizienz landwirtschaftlicher Betriebe ist die Berechnung des N-Saldos der Hoftorbilanz (vergleichbar zur Stoffstrombilanz) besonders geeignet, da dieser alle landwirtschaftlichen N-Verluste erfasst. Mehrjährige Hoftorbilanzergebnisse aus Hessen zeigen, dass der aus Sicht des Gewässerschutzes anzustrebende Zielwert von <40 kg N/(ha·a) nur von Öko- und Ackerbaubetrieben unterschritten wird. Dabei zeigt sich, dass der N-Saldo (brutto) der Hoftorbilanz umso höher ist, je höher der Viehbesatz der Betriebe ist. Aus Sicht des Gewässerschutzes ist auf Ackerland die N-Düngung mit organischen und organisch-mineralischen Düngern auf max. 120 kg N/(ha▪a) zu begrenzen.



Beisecker, R. (2017): Grundsätze und Maßnahmen einer gewässerschützenden Landbewirtschaftung - Das neue DVGW-Arbeitsblatt W 104. Gewässerschutz Wasser Abwasser 245 Band 50, S. 32-1-17. Aachen, 2017.

Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) 2016: Grundsätze und Maßnahmen einer gewässerschützenden Landbewirtschaftung. Technische Regel - Arbeitsblatt DVGW W 104 (A); DVGW, Bonn.

Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) 2013: Möglichkeiten der Effizienzkontrolle zur grundwasserschonenden Bodennutzung am Beispiel des Stickstoffs. Technische Regel - Arbeitsblatt DVGW W 104-2 (M); DVGW, Bonn.



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