Herausforderungen im Ressourcenmanagement für die Sicherung der Trinkwasserversorgung der wachsenden Stadt Berlin

Gunnar Lorenzen1, Dörte Siebenthaler1, Sebastian Schimmelpfenning1, Gesche Grützmacher1
1 Wasserversorgung, Berliner Wasserbetriebe

O 16.2 in Drinking water and water supply

23.03.2018, 11:45-12:00, 1

Die Berliner Wasserbetriebe versorgen ca. 3,5 Mio. Menschen mit über 200 Mio. m3 Trinkwasser pro Jahr, das in neun Wasserwerken aus ca. 650 Tiefbrunnen gewonnen wird. Das Rohwasser wird zu ca. 90 % innerhalb des Stadtgebietes gefördert und speist sich zu ca. 60 % über Uferfiltration, 10 % über Grundwasseranreicherung und  30 % über Grundwasserneubildung. Die Aufbereitung erfolgt ausschließlich mit naturnahen Verfahren (Belüftung, Schnellsandfilter). Diese Rahmenbedingungen stellen eine besondere Herausforderung für das Ressourcenmanagement dar. Während der Wasserbedarf der wachsenden Metropole steigt, ist die Verfügbarkeit nutzbaren Grundwassers limitiert.

Zu qualitativen Einschränkungen führen seit Beginn der Grundwassernutzung geogene Faktoren wie Grundwasserversalzung und Huminstoffe. Hinzu kommen anthropogene Einträge wie zunehmende Sulfatfrachten aus den Tagebaugebieten im Oberlauf von Spree und Havel, Kontaminationen aus Altlasten, sowie auch abwasserbürtige Spurenstoffe. Letztere finden sich sowohl in den Abstrombereichen ehemaliger Rieselfelder, als auch im Uferfiltrat. Eine besondere Herausforderung stellen neu auftretende, teilweise sehr persistente Arzneimittelrückstände dar. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an das Trinkwasser auf Grund verbesserter Analyseverfahren, die mit einer zunehmenden Sensibilisierung in Öffentlichkeit und Fachwelt einhergehen. Die wirksamste Option zur Sicherung der Rohwassergüte bleibt oft nur die Aufgabe von Wasserfassungen oder die Reduzierung der Fördermengen an gefährdeten Standorten.

Mengenverluste ergeben sich auch, wenn stark gealterte Brunnen, die oft noch mit hydraulischen Kurzschlüssen in mehreren Grundwasserleitern verfiltert waren, aufgegeben werden. Ersatzbrunnen können entsprechend dem Stand der Technik nur in einem Grundwasserleiterkomplex verfiltert werden und erreichen daher oft nicht die Ergiebigkeit der Altbrunnen. Eine große Unsicherheit stellen ferner laufende wasserwirtschaftlichen Bewilligungsverfahren für Wasserwerke dar, in denen die Umwelt- und FFH-Verträglichkeit der Grundwasserentnahme geprüft wird.

Eine Aufgabe des Ressourcenmanagements ist es, durch Monitoring, Forschung und Erkundung Probleme frühzeitig zu erkennen, das Prozessverständnis zu vertiefen und Strategien für eine nachhaltige Sicherung der Wasserversorgung zu entwickeln. Handlungsoptionen können z.B. die Entkoppelung des teilgeschlossenen urbanen Wasserkreislaufs, die Nachrüstung von Kläranlagen für eine verbesserte Spurenstoffentfernung oder die Umsetzung neuer Verfahren für eine schonendere Bewirtschaftung des Wasserhaushaltes sein.  

 



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