Verkehrsinfrastrukturprojekte in Trinkwasserschutzgebieten – Konfliktpunkte und Lösungen

Meike Beier1, Arnd Allendorf1
1 Hessenwasser GmbH & Co. KG

O 16.1 in Drinking water and water supply

23.03.2018, 11:30-11:45, 1

Die Hessenwasser GmbH & Co. KG betreibt 21 Wasserwerke in 15 Trinkwasserschutzgebieten (WSG) mit insgesamt 387 m² Fläche vorwiegend in Südhessen. Im Ballungsraum des Rhein-Main-Gebietes sind die WSG von Verkehrsinfrastrukturprojekten wie dem Neu- und Ausbau von Bahntrassen und Autobahnen betroffen.

 

Insbesondere im WSG Stadtwald südlich von Frankfurt bestehen mit vier Bahnprojekten umfangreiche Betroffenheiten. Im Hessischen Ried sollen eine Schnellbahn- und Güterzugtrasse sowie die Ausbaustrecke der BAB A 67 über ca. 15 km durch die WSG der Hessenwasser verlaufen. Im WSG Praunheim II im Nordosten von Frankfurt ist u. a. die Verlängerung einer Straße und einer U-Bahntrasse zwischen zwei Brunnen durch die WSG-Zone II vorgesehen.

 

Während des Baus und Betriebs der Trassen entstehen unterschiedliche qualitative und quantitative Gefahren für das Grund- und Trinkwasser. Die Gefährdungen umfassen Anströmungshindernisse durch in den Untergrund eingreifende Bauwerke, bauzeitige Einflüsse durch Wasserhaltungen, Stoffeinträge während des Baus, im Normalbetrieb und durch Havarien sowie direkte Betroffenheiten von Anlagen.

 

Durch intensive, konsequente Begleitung von Planungen und Genehmigungsverfahren konnte Hessenwasser mit Unterstützung der Wasserbehörden die Umsetzung zahlreicher Maßnahmen zur Erfassung und Verringerung der Risiken sowie eine zunehmende Sensibilisierung der Bauträger für den Grundwasserschutz erreichen.

 

So wird für die Bahnprojekte im Stadtwald eine kumulative Gefährdungsabschätzung erarbeitet. Die Auswirkungen von grundwasserrelevanten Bauwerken werden modelliert und überwacht und Konzepte zur Wiederversickerung von bauzeitlich entnommenem Wasser bzw. Ersatzinfiltrationen bei qualitativen Einschränkungen entwickelt.

 

Bei der Entwässerung der Trassen werden die Lage in den WSG-Zonen, die Fließdauer zu den Brunnen und die Schutzwirkung der Grundwasserüberdeckung berücksichtigt. In sensiblen Bereichen erfolgt eine Abdichtung und das Niederschlagswasser wird außerhalb des sensiblen Bereiches in zentralen Sickerbecken mit vorgeschalteten Absetzbecken versickert. In weniger sensiblen Bereichen erfolgt eine dezentrale Versickerung über Seitengräben mit qualifiziertem Bodenaufbau. 

 

Für Bahntrassen hat Hessenwasser ein Herbizideinsatzkonzept entwickelt, das in Abhängigkeit von der lokalen Sensibilität einen Verzicht auf Herbizide oder deren Einsatz unter Einschränkungen und Bedingungen vorsieht. Sowohl in der Bau- als auch der Betriebsphase ist ein Monitoring der Grundwasserqualität erforderlich.

 

Für Havariefälle werden Ersatzwasserbeschaffungskonzepte erstellt; im Fall einer sehr hohen Havariegefährdung aufgrund kurzer Fließwege erfolgt sogar der Bau neuer Brunnen und Infiltrationsanlagen durch den Bauträger. Brunnen, die aufgrund Durchfahrung der Zone I aufgegeben werden müssen, werden ersetzt. Im Fall einer direkten Betroffenheit eines Wasserwerkes wurde eine Planungsvariante erarbeitet, mit der das Wasserwerk erhalten bleiben kann.



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