Grundwassererschließung für eine nachhaltige ortsnahe Wasserversorgung im Raum Kamenz (westl. Oberlausitz)

Carsten Leibenath1, Thomas Reimann2, Mario Kröger3
1 Büro Lausitz - Dresden, UBV Umweltbüro GmbH Vogtland
2 TU Dresden
3 ewag Kamenz

6.7 in Hydrogeologie in der Praxis

Die Entwicklung der Grundwasserbeschaffenheit und der geplante Kohleausstieg veranlassen die Bergbauunternehmen im Lausitzer Braunkohlerevier, die Wasserversorgung des umliegenden Territoriums auf Grundlage von Tagebausümpfungswasser einzustellen. Dies führt bei Wasserversorgungsunternehmen zur Notwendigkeit, alternative Rohwasserquellen zu erschließen. Entsprechend § 50 WHG Abs. 2 sollte der Wasserbedarf vorrangig aus ortsnahen Wasservorkommen gedeckt werden. Dies ist im Freistaat Sachsen mit § 44 Abs. 2 Satz 1 des SächsWG untersetzt.

Im Raum Kamenz stehen für eine ortsnahe Grundwassererschließung Dargebote zur Verfügung, die bereits in den 70-er Jahren erkundet und nachgewiesen wurden. Diesen Nachweis galt es entsprechend heutigen Anforderungen zu prüfen und zu untersetzen. Eine besondere Rolle spielen dabei naturschutzfachliche Sachverhalte und die Nachhaltigkeit in Bezug auf den Klimawandel. So z.B. ist die negative Beeinflussung von Feuchtgebieten sowie von für Landschaftspflege und als Wirtschaftfaktor im ländlichen Raum bedeutsamen Fischzuchtteichen auszuschließen.

Das erschlossene Dargebot Kamenz-Döbra weist einen für das Randpleistozän typischen hydrogeologischen Bau auf. Hier wechseln auf engem Raum Festgesteinsaufragungen
- praktisch ohne Grundwasserführung - mit hochdurchlässigen, sich kreuzenden, Rinnenstrukturen, die hydraulisch mit einer Reihe von Fließ- und Standgewässern kommunizieren. Unter diesen Bedingungen war zur Untersetzung für einen sicheren Dargebotsnachweis ein Demonstrativpumpversuch unerlässlich.

Dieser bildete die Basis für Untersuchungen mit numerischen Grundwassermodellen. Diese berücksichtigen die konzeptionelle Unsicherheit und berechnen entsprechend ein mögliches Spektrum der Auswirkungen der zukünftigen Wasserentnahme. Mit Hilfe dieser Spannweiten kann eine eingehende Entscheidungsgrundlage zur Verfügung gestellt werden.