System Veder im Praxistest – hydrogeologische Grundlagen einer fast vergessenen Sanierungsmethode

Sylke Hilberg1, Rainer Braunstingl2
1 Fachbereich Geographie und Geologie, Universität Salzburg
2 Amt der Salzburger Landesregierung, Geologischer Dienst

6.5 in Hydrogeologie in der Praxis

Hydraulische und hydrochemische Prozesse in der ungesättigten Zone sind in Gebieten mit ausgeprägtem Relief häufig verantwortlich für Massenbewegungen. Effiziente geotechnische Maßnahmen zur Sanierung von Rutschhängen setzen daher ein detailliertes Verständnis für die Hydrogeologie der ungesättigten Zone voraus. Ein Beispiel hierfür ist das Kurzschlussleiterverfahren nach Veder. Dabei handelt es sich um eine Methode zur Sanierung von Rutschungen in Lehm- und Tonböden. Sie wurde durch den namengebenden Geotechniker Christian Veder (Prof. an der TU Graz bis 1978) in den 1960er und 1970er Jahren an mehreren Standorten in Österreich sowie international erfolgreich erprobt (Veder, 1979).

Das System Veder beruht auf dem Ansatz, den natürlichen elektroosmotischen Prozess und damit die Wasserbewegung umzukehren und Porenwasser von einer chemischen Grenzschicht in die hangende oxidierende Tonschicht zu transportieren. Dazu werden Stahlstäbe in einem gleichmäßigen Raster (max. wenige Meter Distanz zueinander) soweit in den Untergrund gerammt, dass sie die Grenzschicht durchstoßen und noch ein bis zwei Meter tiefer in den Untergrund reichen. Auf diese Weise wird ein Kurzschluss zwischen den beiden chemisch unterschiedlichen Tonschichten erzeugt, der folgendes bewirken soll:

·         Unterdrückung der natürlichen Elektroosmose durch Abbau von Potentialdifferenzen – es wird kein Porenwasser mehr in der Grenzschicht angereichert

·         entgegengesetzte Elektroosmose führt dagegen sogar zur Entwässerung der Gleitschicht

·         einwertige Ionen werden durch höherwertige ersetzt, was zur zusätzlichen Stabilisierung der Gleitschicht beiträgt.

Die Methode zeichnet sich durch ihre im Vergleich zu anderen Sanierungsverfahren sehr einfache und kostengünstige Umsetzung aus. Umso mehr verwundert, dass seit der oben zitierten Publikation weder weitere wissenschaftliche Betrachtungen noch technische Umsetzungen in dafür geeigneten Rutschhängen erfolgt sind.

Im glazial geprägten inner- und voralpinen Raum, z.B. in Österreich sind Rutschhänge, deren geologische Situation der oben beschriebenen entspricht, weit verbreitet. Mehrere Rutschungen im Land Salzburg wurden mit dem System Veder ausgestattet und die Sanierungsmaßnahmen wissenschaftlich begleitet. Dazu wurde der Wassergehalt in der potentiellen Gleitschicht und der unterlagernden reduzierenden Tonschicht sowie elektrische Leitfähigkeit, pH-Wert, Sauerstoffgehalt und Redoxpotential der Bodenlösung kontinuierlich bzw. zu Stichtagen gemessen. Tonmineralanalysen liefern zusätzlich Informationen über die erwarteten Ionenaustauschreaktionen.

Die Studie zeigt, dass sich die von Veder (1979) postulierten Prozesse mit modernen Analysen- und Messmethoden belegen lassen. Das System Veder hat damit großes Potential, zukünftig zur raschen und kostengünstigen Stabilisierung von Rutschhängen herangezogen zu werden.



Veder, Ch. (1979): Rutschungen und ihre Sanierung, 231 S., 116 Abb., Springer Verlag, Wien