Das Grundwassermodell Dresden - Kommunale Grundwassermodellierung als Baustein einer zukunftsfähigen Bewirtschaftungsstrategie

Kirsten Ullrich1, Carsten Leibenath2, Bernd Gutt3, Thomas Sommer4
1 Landeshauptstadt Dresden, Umweltamt
2 UBV Umweltbüro Vogtland GmbH
3 ARCADIS Germany GmbH, NL Dresden
4 Dresdner Grundwasserforschungszentrum e.V.

6.11 in Hydrogeologie in der Praxis

Grundwassermodelle finden für unterschiedlichste wasserwirtschaftliche Fragestellungen Anwendung. Der Einsatz eines über die Jahre kontinuierlich aufgebauten und fort­geschriebenen Modells in kommunaler Verantwortung ist jedoch eher selten. Gründe dafür sind vielfältig – nicht zuletzt müssen die Bedeutung des Schutzgutes Grundwasser, aber auch die davon ausgehenden Gefährdungen für städtische Entwicklungen durch die Verantwortungsträger grundsätzlich erkannt und in der Planung berücksichtigt werden.

Bereits in der Mitte der 1990er Jahre hat die Landeshauptstadt Dresden die Notwendigkeit gesehen, die vielfältigen Nutzungsansprüche an den städtischen Untergrund mittels eines dreidimensionalen Grundwasserströmungsmodells abzubilden. Anlassgebend dafür waren zunächst die nach der politischen Wende in großer Anzahl geplanten innerstädtischen Bauvorhaben, wie beispielsweise die Untertunnelung und Neubebauung des Wiener Platzes oder der Wiederaufbau des historischen Neumarktes mit der Frauenkirche. So war es vor allem am Neumarkt die Vielzahl der geplanten Baukörper, die mit möglichst vielen Tiefgeschossen ausgestattet werden sollten und deren Bauanträge zu einem vorab nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt gestellt werden würden. Um hier eine grundwasserverträgliche Untergrundnutzung zuzulassen, war eine integrale Betrachtung der Auswirkung potentieller Baukörper auf die Grundwasserströmung unerlässlich.

Mittels modellgestützer Variantenbetrachtungen konnte einerseits der Stadtplanung ein durch die weitere Bauleit­planung auszugestaltender Rahmen und andererseits den Investoren eine verlässliche Grundlage für eine wasserrechtlich genehmigungsfähige Planung von Baukörpern im durchströmten Grundwasserleiter zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig kann das Grundwassermodell selbst von kommunalen und privatwirtschaftlichen Unternehmen für die Erarbeitung wasserrechtlicher Antragsunterlagen genutzt werden.

In seinem Nachgang zum Elbe-Hochwasser 2002 wurde das Grundwassermodell auf den gesamten Bereich des Dresdner Elbtalgrundwasserleiters mit insgesamt 9 Modellschichten erweitert und für die Anwendung als Hochwasserprognosewerkzeug ertüchtigt.

Beim Hochwasser 2013 konnten dann für die vorhergesagten Scheitelwasserstände kurzfristig instationäre Prognoserechnungen durchgeführt werden, deren kartografisch aufbereitete Ergebnisse eine wesentliche Grundlage für die Planung der operativen Hochwasserabwehr bildeten.

Mit dem Grundwassermodell werden außerdem Auswirkungen oberirdischer Hochwasser­schutzmaßnahmen im Stadtgebiet auf die Grundwasser untersucht und für verschiedene Hochwasserstände der Elbe zu einem Satz potentieller Grundhochwasser­szenarien ergänzt. Diese sind im Informationssystem der Landeshauptstadt Dresden dauerhaft für die Katastrophenabwehr verfügbar. Im Hinblick auf den Klimawandel werden mit dem Modell die zu erwartenden Auswirkungen auf die Grundwasserverfügbarkeit in dafür abgegrenzten Bilanzgebieten untersucht.