Auswirkungen des Einsatzes von Flüssigboden im Kanalbau auf die Grundwasserstände

Hurshidjon Saminov1, Cornelius Sandhu1, Olaf Stolzenburg2, Thomas Grischek1
1 Lehrgebiet Wasserwesen, Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
2 Forschungsinstitut für Flüssigboden GmbH, Leipzig

6.9 in Hydrogeologie in der Praxis

Flüssigboden im Sinne der Definition der RAL Gütegemeinschaft Flüssigboden e. V. gehört zur Gruppe der zeitweise fließfähigen Verfüllmaterialien und soll bodentypische Eigenschaften ohne die Bildung starrer Strukturen hydraulischer Bindemittel (z. B. Zementsteinstrukturen) sicher erhalten. Das Flüssigbodenverfahren vermeidet die Bildung derartiger starrer Fremdstrukturen durch die friktional, kohäsive Rückverfestigung.
Der Einsatz von Flüssigboden bietet im Kanalbau und vielen anderen Anwendungsgebieten, die mit Eingriffen in den Grundwasserbereich verbunden sind, eine Reihe von Vorteilen. So kann beispielsweise bei hohen Grundwasserständen in offener Bauweise ohne Wasserhaltung gearbeitet werden. Setzungen in der näheren Umgebung infolge der Grundwasserstandsabsenkung können vermieden werden, wenn die dafür erforderlichen Voraussetzungen im Rahmen der Planung geschaffen werden. Sofern das bei herkömmlicher Bauweise zu hebende und abzuführende Grundwasser kontaminiert ist und vor einer Einleitung oder Infiltration gereinigt werden müsste, entfällt dieser Aufwand und es werden erhebliche Kosten gespart. Andererseits wird durch den Einbau von Flüssigboden eine geringere Durchlässigkeit in den Teilen des Grabens verursacht, der mit Flüsssigboden verfüllt wird. Dies kann positive Auswirkungen durch eine Vermeidung von Leckagen und einer Dränage der Umgebung des Grabens haben, aber auch die Grundwasserströmung beeinflussen.
Im Posterbeitrag wird der Einsatz von Flüssigboden mit der konventionellen offenen Bauweise für den Fall hoher Grundwasserstände verglichen. Anhand von zwei Fallbeispielen und einer systematischen Falluntersuchung und Sensitivitätsanalyse mittels Grundwasser-strömungssimulation mit Processing Modflow wird der Einfluss auf die Grundwasser-strömung während und nach dem Abschluss der Baumaßnahme bewertet. Aus den Erkenntnissen dieser Bewertung kann der Fachplaner für Flüssigbodenanwendungen beurteilen, ob eine technische Lösung (z. B. natürliche oder technisch realisierbare Dükerung) zur Vermeidung von Einstauproblemen notwendig ist.