Bewässerungswasserbedarf in Ostdeutschland nach der Dürre 2018: Die Perspektive der Landwirtschaft

Fritz Kalwa1, Richard Wallschläger1
1 Institut für Grundwasserwirtschaft, TU Dresden

10.8 in Hydrogeology of Arid and Semi-Arid Environments

28.03.2020, 11:15-11:30, Händel-Saal

Sowohl das Jahr 2018 als auch das Jahr 2019 waren in Ostdeutschland durch starke Trockenheit geprägt. Insbesondere während der Vegetationsperioden machte der fehlende Niederschlag der Landwirtschaft schwer zu schaffen. Laut IPCC (2014) ist auch in Zukunft mit trockeneren Sommern zu rechnen, was viele Agrarbetriebe in ihrer Existenz bedrohen könnte. Eine Anpassungsmöglichkeit stellt die Beregnung landwirtschaftlicher Flächen dar, was gerade in Ostdeutschland durchaus Tradition hat: Zu DDR-Zeiten wurden hier über eine Million Hektar Ackerland mit ca. 1,7 Mrd. m³ jährlich bewässert, welches größtenteils aus Grundwasser, Kläranlagen und Oberflächengewässern entnommen wurde. Nach der Wende und der damit einhergehenden Umstrukturierung in der Landwirtschaft nahm die bewässerte Fläche allerdings um mehr als 90 % ab (Simon, 2009), was auch die wasserwirtschaftliche Situation entspannte. Sollte die Bewässerungslandwirtschaft in Zukunft wieder ausgeweitet werden, müsste sich auch die Wasserwirtschaft anpassen. Ein Instrument hierfür könnte z.B. die kontrollierte Wiederverwendung von Abwasser sein, wofür die EU-Kommission kürzlich einen Verordnungsentwurf ins Parlament einbrachte.

Um die Perspektive der landwirtschaftlichen Akteure auf die Themen Trockenheit, Bewässerung und Wasserwiederverwendung zu erfassen und den zukünftigen Bedarf abzuschätzen, wurde deshalb im Sommer 2019 ein Fragebogen an 300 landwirtschaftliche Betriebe in Ostdeutschland versendet. 73 von ihnen (ca. 24 %) sendeten den Fragebogen ausgefüllt zurück.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass fast alle Landwirte 2018 mit gravierenden Ernteverlusten konfrontiert waren: Im Schnitt wurden ca.10 % weniger Roggen, 20-30 % weniger Weizen & Gerste und 30-50 % weniger Mais geerntet. Insbesondere größere landwirtschaftliche Betriebe könnten sich eine Bewässerung ihrer Flächen in naher Zukunft gut vorstellen, um Ernteverlusten vorzubeugen oder die Qualität ihrer Feldfrüchte sicherzustellen. Zählt man das gesamte Bewässerungspotential zusammen, das Landwirte auf ihren Flächen sehen, würde sich der Wasserbedarf durch die Landwirtschaft in Zukunft sogar mehr als verfünffachen. Allerdings scheuen viele Landwirte die teilweise sehr hohen Investitions- und Betriebskosten und sehen Probleme beim Wasserdargebot. Dessen Erhöhung durch Wasserwiederverwendung  bewerten die befragten Landwirte grundsätzlich positiv, allerdings wird Verbesserungspotential bei den gegenwärtigen gesetzlichen Regelungen gesehen.

Die Umfrage kann als Anhaltspunkt für die hydrologischen und wasserwirtschaftlichen Planungen in den neuen Bundesländern gesehen werden, welche in Zukunft neben den Haushalten und der Industrie auch eine zunehmend durstiger werdende Landwirtschaft berücksichtigen sollte.



IPCC, 2014: Climate Change 2014: Synthesis Report. Contribution of Working Groups I, II and III to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Core Writing Team, R.K. Pachauri and L.A. Meyer (eds.)]. IPCC, Geneva, Switzerland, 151 pp.

M. Simon, 2009: Die Landwirtschaftliche Bewässerung in Ostdeutschland seit 1949. PIK Report No.114. ISSN: 1436-0179. Potsdam. 92 pp.



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