Kriterien der Auswahl von Uferfiltrationsstandorten in Vietnam

Thi Ngoc Anh Hoang1, Thomas Grischek1
1 Hochule für Technik und Wirtschaft Dresden

9.8 in Artificial and natural groundwater recharge (co-organized by IAH-D)

26.03.2020, 16:45-17:00, Händel-Saal

Vietnam hat ca. 90 Mio. Einwohner, 34% leben davon in Städten und 66% auf dem Land (Stand 2012). Aktuell verfügen ca. 50% der städtischen Bevölkerung über einen öffentlichen Trinkwasseranschluss. Demgegenüber sind in ländlichen Regionen nur 20% der Bevölkerung an das Leitungsnetz angeschlossen. Für die Städte wird das Trinkwasser zu 70% aus Oberflächenwasser (OW) gewonnen; 30% basieren auf Grundwasserressourcen (GW) [1].

Die Aufbereitung von OW erfolgt in der Regel über konventionelle Aufbereitung: Flockung, Sedimentation, Filtration und Desinfektion mittels Chlor. Neben den allgemeinen Problemen einer Flusswasseraufbereitung gibt es Beeinträchtigungen durch den Monsun, wenn Anlagen überflutet werden und erhöhte Trübung und Keimbelastung die Unterbrechung der Trinkwasserproduktion erfordern. In den ländlichen Regionen dominiert die Versorgung mit kaum aufbereitetem GW mit häufig erhöhten Eisen- und Mangangehalten. Im Delta des Red River sind 7 Mio. Menschen von erhöhten Arsenwerten im Trinkwasser betroffen. Häufig treten Probleme durch hohe Ammoniumgehalte im Rohwasser auf, das durch die vorhandene Aufbereitung nicht ausreichend entfernt wird.

Zur Lösung der aufgezeigten Probleme stellt die Uferfiltration einen geeigneten Ansatz dar, der sich bereits in anderen Ländern bewährt hat. Eine nach dem wiss.-techn. Stand der Kenntnisse realisierte UF vereint damit wichtige Aspekte wie die Bereitstellung sauberen Trinkwassers für die Bevölkerung sowie den Einsatz nachhaltiger und umweltverträglicher Aufbereitungsprozesse. Im Rahmen des BMBF-Verbundprojekts AquaViet (2019-2022) wird das Potential der Wassergewinnung durch Uferfiltration in Vietnam untersucht.

Die Auswahl günstiger Standorte kann mehrerer Kriterien erfolgen. In der Literatur gibt es unterschiedliche Ansätze der Standortbewertung, die meist die Wasserbeschaffenheit zu stark wichten und betriebstechnische Aspekte vernachlässigen. Im Beitrag wird ein Ansatz unter Nutzung der Kriterien Hydrogeologie, Hydrologie, Wasserbeschaffenheit, Wasserbedarf, Wasserversorgung und Hochwasserschutz vorgestellt. Alle Kriterien werden durch mehrere Parameter gestützt und quantifiziert, die sich aus den Anforderungen der Uferfiltratgewinnung, der Datenverfügbarkeit und der guten betrieblichen Praxis ergeben. Die Wichtung der Kriterien erfolgt auf der Grundlage von Sensitivitätsuntersuchungen, Mehrkomponentenanalyse und Falltypbetrachtungen. Die Bedeutung der hydrogeologischen Kriterien wie Mächtigkeit des oberen Grundwasserleiters und der typischen Auelehmüberdeckung, kf-Wert und Gefälle des Grundwassers in Flussnähe wird hervorgehoben. Der eigene Bewertungsansatz wird mit dem von Wang et al. [2] veröffentlichten Bewertungsansatz verglichen.



[1]   Asian Development Bank (2008) Vietnam water sector review. Project Number: 40621-012.

[2]   Wang, L., Ye, X., Du, X. (2016) Suitability evaluation of river bank filtration along the Second Songhua River, China. Water 8(5), 176, doi: 10.3390/w8050176.



Export as iCal: Export iCal