Kommunale Grundwasserbeobachtung im Spannungsfeld von Hoch- und Niedrigwasser

Kirsten Ullrich1
1 Umweltamt, Landeshauptstadt Dresden

3.9 in Groundwater-Surface Water Interactions – from the river reach to the catchment

27.03.2020, 14:00-14:15, Telemann-Saal

Kommunale Grundwasserbeobachtung im Spannungsfeld von Hoch- und Niedrigwasser

Rückblick auf das Hochwasser 2002: Die Elbe steigt unaufhörlich an und erreicht am 17.08.2002 ihren Scheitelpunkt. Während aller Augen auf  die unfassbar große oberirdische Überflutung gerichtet sind, steigt im Untergrund weitgehend unbemerkt auch das Grundwasser an. Nachrichten aus dem ebenfalls überschwemmten Prag erreichen Dresden: Häuser sind unterspült und drohen einzustürzen. Sofort stellen sich im Katastrophenstab der Stadt die Fragen: „Kann das auch in Dresden geschehen? Welche Gebiete sind gefährdet? Wie hoch wird das Grundwasser steigen? Welche Gebäude müssen wir evakuieren?“ Das städtische Umweltamt ist gefordert und organisiert eine großangelegte Messaktion der Grundwasserstände um einen ersten Überblick über die Gefahr aus dem Untergrund zu gewinnen.  Bis über zwei Wochen nach dem Durchgang des Hochwasserscheitels werden die Messungen täglich, später wöchentlich durchgeführt. Der Dresdner Stadtrat hat in der Folge die Einrichtung eines kommunalen Hochwasserbeobachtungssystems für das Grundwasser beschlossen.

Bundesweit ist Dresden die erste Kommune, die ein derartiges Messnetz entwickelt. Es gibt deshalb keine Erfahrungen, auf denen das Umweltamt aufbauen könnte. Ziel ist die Bereitstellung von Echtzeitinformationen zum Grundwasserstand als Grundlage für das eigenverantwortliche Handeln der Eigentümer zum Objektschutz sowie die genauere Abbildung besonders gefährdeter Bereiche. Diese Anforderungen sind nur durch den Einsatz eines automatisierten Messsystems erfüllbar. Alles in allem wird das Dresdner Messnetz in der  Rekordzeit von nur zwei Jahren konzipiert, geplant und fertiggestellt. Zur großen Bewährungsprobe kommt es beim Hochwasser 2013, als die Informationen von der Bevölkerung äußerst intensiv genutzt werden.

Die städtischen Messstellen dienen in erster Linie der Überwachung des Grundwassers im Hochwasserfall. Das System ist aber dauerhaft aktiv und entwickelt dadurch auch zusätzlichen Nutzen für die Stadt. Bereits jetzt werden die Daten von vielen Gutachtern und Planern bei Gebäudeplanungen oder Schadensursachenerforschung genutzt. Besonders im Herbst/Winter 2010 waren zahlreiche Zugriffe auf die Daten zu verzeichnen, verursacht durch die - im Dresdner Elbtal ohne direkten Hochwasserbezug - stark angestiegenen Grundwasserstände.

In den letzten Jahren war die Situation jedoch gegenteilig: „Dresden trocknet aus“ – so die Schlagzeilen der örtlichen Presse nach dem niederschlagsarmen Sommer 2019 und tatsächlich ist dieser ja nur der letzte in einer Reihe von Jahren mit geringer Neubildung. Anträge auf Grundwasserabsenkung für Bauwasserhaltungen, bestehende Nutzungsrechte und steigender Nutzungsdruck müssen in Einklang gebracht werden und sind hinsichtlich der Auswirkungen auf die Wasserstände zu überwachen. Auch hierbei leistet das kommunale Grundwasserbeobachtungsnetz eine wertvolle Hilfe.

Bereitstellung der Informationen zum Grundwasserstand im Internet im städtischen Themenstadtplan (Bildquelle: Umweltamt)
Bereitstellung der Informationen zum Grundwasserstand im Internet im städtischen Themenstadtplan (Bildquelle: Umweltamt)



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