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Gefahrenhinweiskarte Schwäbisch-Fränkischer Jura

Stefan Oertel1, Simone Patula1, Martina Reinwald1, Peter Thom1, Andreas v. Poschinger1
1 Ref. 106 Ingenieurgeologie, Georisiken, Bayerisches Landesamt für Umwelt

V 6.6 in Quartäre Landschaftsentwicklung - ein Schlüssel zum Verständnis aktueller Georisiken

19.09.2012, 16:40-17:00, H8

Das Bayerische Landesamt für Umwelt erstellt derzeit sogenannte Gefahrenhinweiskarten für den Schwäbisch-Fränkischen Jura, um Bereiche, die von Naturgefahren betroffen sind, darzustellen. Ziel des Projektes ist es, tiefreichende Rutschungen, Steinschlag und Subrosion flächendeckend zu erfassen. Die Durchführung des Vorhabens wird mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung gefördert.

Als essentielle Datengrundlage für die Erstellung der Karten dienen hochauflösende digitale Geländemodelle (DGM) des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation, mit einer Auflösung von 1 m, sowie die entsprechenden amtlichen Geologischen Karten im Maßstab 1:25.000. Als zusätzliche Informationsquelle wird das Bayerische Bodeninformationssystem (BIS) herangezogen, eine GIS-basierte Datenbank in der bereits dokumentierte Ereignisse erfasst sind. Da im bayerischen Jura bisher nur vereinzelt  BIS-Objekte existieren, führen externe Bearbeiter der Universitäten Würzburg und Erlangen im Projektgebiet Kartierungen von tiefreichenden Rutschungen durch. Zudem wurde die Universität Eichstätt mit einer historischen Recherche beauftragt, um in Archiven überlieferte Ereignisse zu ermitteln.

Die Abgrenzung potentieller Prozessräume für tiefreichende Rutschungen erfolgt anhand von empirischen Methoden. Da tiefreichende Rutschungen meist in Gebieten auftreten, die bereits früher von Rutschungen betroffen waren, werden alle verfügbaren Informationen bezüglich der möglichen Ausdehnung von Anbruch- und Auslaufbereichen ausgewertet. Hierbei stellt das digitale Geländemodell ein wichtiges Werkzeug dar, da anhand von Schattenbildern die potentiellen Rutschbereiche bereits am Computer durch ihre morphologische Erscheinung ausgewählt und gezielt im Gelände aufgenommen werden können. Bei der Ausweisung der Gefahrenhinweisbereiche für Rutschungen werden zwei unterschiedliche Ansätze verfolgt: Zum einen werden Bereiche gekennzeichnet, die bereits von tiefen Rutschungen betroffen sind, zum anderen wird das Gelände danach beurteilt, ob eine erhöhte Anfälligkeit für die Bildung eines tiefreichenden Rutschprozesses besteht.

Um potentielle Ablösepunkte für Steinschlag zu ermitteln werden aus dem DGM alle Bereiche mit einer Hangneigung von mehr als 45° berechnet. Die Transit- und Ablagerungsbereiche können daraufhin ausgehend von den Startpunkten mit Hilfe einer Modellierung bestimmt werden. Neben topographischen Informationen aus dem DGM gehen in die Berechnung Dämpfungs- und Reibungsfaktoren sowie Vegetationsdaten ein. Zudem muss für jede geologische Einheit eine charakteristische Blockform im Gelände bestimmt werden. Aufgrund dieser Eingangsparameter werden zwei unteschiedliche Szenarios betrachtet. Eines unter Berücksichtigung der Schutzfunktion des Waldes und eines ohne Waldeinwirkung. Aus den Ergebnissen werden schließlich die Gefahrenhinweisbereiche für Steinschlag erstellt.

Die Abgrenzung der Gefahrenhinweisbereiche für Subrosion basiert in erster Linie auf einer visuellen Auswertung des DGMs auf bereits vorhandene Dolinen. Die dadurch gewonnenen Informationen werden mit Hilfe von geologischen und topograpischen Karten, Luftbildern, sowie Geländebegehungen auf Plausibilität überprüft.

Für die Anwender, wie beispielsweise Behörden oder Planungsbüros, ist die Gefahrenhinweiskarte im Maßstab 1:25.000 ein sehr hilfreiches Instrument, mit dem sich erkennen lässt, wo sich von Geogefahren bedrohte Bereiche befinden. Neben den gewonnenen Ergebnissen ist die Kommunikation zwischen Fachleuten, lokalen Behörden und der Öffentlichkeit von großer Bedeutung, um die Akzeptanz, sowie eine angemessene Interpretation der Gefahrenhinweiskarten zu gewährleisten.



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Letzte Änderung 25.07.2012