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Pollenanalytische Untersuchungen an mittelpleistozänen Seesedimenten im Graben E Höhenmoos (Gmd. Rohrdorf, Oberbayern)

Maria Knipping1, Martin Herz2
1 Institut für Botanik, Universität Hohenheim, D-70593 Stuttgart, Maria.Knipping@uni-hohenheim.de
2 Bayerisches Landesamt für Umwelt, Geologischer Dienst, D-95030 Hof/Saale, Martin.Herz@lfu.bayern.de

V 1.4 in Fortschritte der Quartärstratigraphie

17.09.2012, 10:50-11:10, H8

 

 

Im Zuge der geologischen Landesaufnahme des Blattes 8127 Stephanskirchen wurden im Graben E bei Höhenmoos (ca. 550-570 m NN) präwürmzeitliche feinkörnige Seesedimente aufgefunden. Die durch Eisauflast stark überkonsolidierten Sedimente sind im Bach in zahlreichen Rutschkörpern auf ca. 200 m Länge im Bereich mehrerer Prallhänge aufgeschlossen. Im Oberlauf des Grabens wurden an zwei etwa 30 m von einander entfernten Aufschlüssen Proben entnommen und 2 Profile von 5,00 m und 3,65 m Länge bisher analysiert. Die sonst meist gleichförmigen Schluffe können hier auch lithologisch über eine etwa 10 cm bis 20 cm mächtige Sandlage parallelisiert werden. Die Lokalität liegt im südöstlichen Randbereich des würmzeitlichen Inn-Vorlandgletschers nur etwa 6 km NNE der bekannten Interglazialvorkommen am Samerberg.  

Die Vegetationsentwicklung zeigt im Liegenden eine lokale Pollenzone (LPZ) mit Picea und subdominanter Abies mit geringen Anteilen an thermophilen Taxa. Nach einem kurzfristigen Pinus-Anstieg folgt eine Zone mit hohen Picea-Anteilen die mit 4 kurzen Phasen mit höheren Nichtbaumpollen-Anteilen (NBP) abwechseln. Es treten vermehrt schlecht erhaltene Pollenkörner (Indeterminata) und präquartäre Taxa auf und verweisen auf aufgearbeitete Sedimente und verstärkte Erosion. Diese NBP-reichen Phasen zeigen eine deutliche Auflichtung der Vegetation, welche jeweils durch nachfolgende erhöhte Juniperus-Anteile wieder zu einer Picea-Phase überleiten. Im Profil sind keine Gleitbahnen erkennbar, die auf eine Störung der Abfolge hinweisen würden. 
In der folgenden LPZ sind Pinus und Betula dominant, Pollen von Picea, Larix, Pinus cembra-Typ, Alnus viridis und Juniperus ist mit durchgehenden Kurven vertreten.
Im weiteren Verlauf nehmen die Betula-Anteile deutlich ab, während Pinus-Pollen zunimmt. Hohe Anteile von Ulmus, Quercus und Fraxinus zeigen danach den Beginn einer Warmzeit an. Es wurden mehrfach Funde von Celtis während dieser Frühphase nachgewiesen. Eine deutliche Sandlage mit sehr hohen Abies-Anteilen folgt unmittelbar auf die Frühphase der Warmzeit und deutet auf einen Hiatus. In dieser LPZ sind neben den sehr hohen Abies-Anteilen, geringe Anteile von Tilia, Corylus, Carpinus, Fagus, Taxus, Celtis und Buxus vorhanden. Zurückgehende Abies-Anteile bei zunehmenden Picea- und Pinus-Anteilen leiten zu einer kühleren LPZ über, Fagus und Buxus sind hier durchgehend vorhanden. Die oberste LPZ zeigt kaltzeitliche Bedingungen mit einer deutlichen Auflichtung der Vegetation an.

Bislang wurden keine autochthonen Tertiärrelikte gefunden, die auf ein frühpleistozänes Alter schließen lassen, auch Pterocarya wurde nicht nachgewiesen.
Nach dem heutigen Analysenstand ist eine Korrelation der Vegetationsentwicklung in Höhenmoos weder mit dem Eem oder Holstein, noch mit dem Frühwürm möglich (Drescher-Schneider 2000; Grüger 1979, 1983; Müller 2001). Ein Vergleich mit dem Profil von Meikirch II (Preusser et al. 2005) und der Mannheim-Warmzeit (Knipping 2008, Lauer et al. 2010) lassen bislang eine Korrelation möglich erscheinen, auch wenn aufgrund der größeren Entfernung und unterschiedlicher Höhenlagen abweichende Pollenspektren existent sind.

 

Literatur:

Drescher-Schneider, R. ( 2000): 2. Halt: Kiesgrube Thalgut: Pollen- und großrestanalytische Untersuchungen. In: Kelly, M., Linden, U. & Schlüchter, Chr.. -  Exkursionsführer DEUQUA 2000, Eiszeitalter und Alltag, Bern 6 - 8 September 2000: 128-136

Grüger, E. (1979): Spätriß, Riß/Würm und Frühwürm am Samerberg in Oberbayern – ein vegetationsgeschichtlicher Beitrag zur Gliederung des Jungpleistozäns. – Geologica Bavarica, 80: 5-64

Grüger, E. (1983): Untersuchungen zur Gliederung und Vegetationsgeschichte des Mittelpleistozäns am Samerberg in Ober­bayern. – Geologica Bavarica, 84: 21-45

Knipping, M. (2008): Early and Middle Pleistocene pollen assemblages of deep core drillings in the northern Upper Rhine Graben, Germany. - Netherlands Journal of Geosciences — Geologie en Mijnbouw, 87: 51-65

Lauer, T., Krbetschek, M. , Frechen, M., Tsukamoto, S., Hoselmann, Ch. & Weidenfeller, M. (2011): Infrared Radio­fluorescenece (IR-RF) Dating of Middle Pleistocene Fluvial Archives of the Heidelberg Basin (Southwest Germany). – Geo­chronometria, 38(1): 23-33

Müller, U. (2001): Die Vegetations- und Klimaentwicklung im jüngeren Quartär anhand ausgewählter Profile aus dem süd­westdeutschen Alpenvorland. - Tübinger Geowissenschaftliche Arbeiten, Reihe D7, 118 S.

Preusser, F., Drescher-Schneider, R., Fiebig, M. & Schlüchter, Ch. (2005): Re-interpretation of the Meikirch pollen record, Swiss Alpine Foreland, and implications for Middle Pleistocene chronostratigraphy. – Journal of Quaternary Science, 20: 607-620



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Letzte Änderung 29.07.2012