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Tagesexkursionen, 20.9.2012 ab 8:00 h

 

B Europäische Wasserscheide, Flussgeschichte, Bruchsschollenzone, Trebgasttal

Leitung: Ludwig Zöller, Ulrich Hambach, Thomas Kolb (Bayreuth)

Das Exkursionsgebiet liegt nahe der Europäischen Hauptwasserscheide in der Umgebung von Bayreuth. Hauptthema der Exkursion sind tertiäre und quartäre Flusslaufverlagerungen sowie Terrassen und ihre Deckschichten als Archive der Landschaftsgeschichte. Zu Mittag erfolgt Einkehr in einem oberfränkischen Landgasthaus im Trebgasttal. Zum Abschluss wird beim Besuch der oberfränkischen Kleinbrauerei „Haberstumpf“ in Trebgast im Fasskeller (Oberer Buntsandstein) bei Zwickl-Bier die „Trebgaster Radioaktivitätsanomalie“ vorgeführt.

Interessenten können nähere Informationen über die Exkursion erhalten, indem sie den Artikel „Quaternary valley and slope development in the headwaters of the River Main, Upper Franconia – puzzling ancient stream courses and sedimentary archives“ von L. Zöller et al. (2011) aus dem DEUQUA-Exkursionsführer „From the northern ice shield to the Alpine glaciations“ (Hrsg.: Daniela Sauer) kostenlos herunterladen: http://www.geozon.info/publikationen/

Programm und Route:

8:00 h: Kurze Einführung im Hörsaal H6, GEO-Gebäude der Uni

8:30 h Abfahrt vom GEO-Parkplatz

1. Halt: Überschotterte Europäische Wasserscheide und „Fränkische Linee“ bei Weidenberg


2. Halt: Ablenkung der Steinach vom Trebgasttal zum Rotmain bei Bayreuth-Laineck


3. Halt: Risszeitliche T3-Terrasse der Ur-Steinach im „Bindlacher Schotterfeld“ und ihre Deckschichten (Kolluvien, Lösslehme, Rinnenfüllungen, interstadiale Böden), OSL-Datierung, umweltmagnetische Ergebnisse u.a.


4. Halt: Periglaziale Deckschichten der würmzeitlichen T2-Terrasse der Ur-Steinach bei Bindlach-Crottendorf, Kolluvien, Malakologie, OSL-Datierung

Mittagessen (nicht im Preis inbegriffen)

5. Halt: Ältere Rotmainterrassen (T4, T5) im Trebgasttal bei Harsdorf

6. Halt: Lindauer Moor, spät- und postglaziale Landschaftsgeschichte

7. Halt: Tertiäre „Espich“-Terrasse des „Moenodanuvius“ (Schirmer) bei Untersteinach

8. Halt: Haberstumpf-Brauerei Trebgast, Trebgaster Radioaktivitätsanomalie

 

C Mit der „Eiszeit“ ins Quartär und den „Dinos“ zu den Anfängen Europas – der Geopark Bayern-Böhmen

Leitung: Andreas Peterek (Bayerisch-Böhmischer Geopark)

Mit der „Eiszeit“ ins Quartär und den „Dinos“ zu den Anfängen Europas – der Geopark Bayern-Böhmen Der grenzüberschreitende Geopark Bayern-Böhmen dient der Umweltbildung im Weiteren, der geowissenschaftlichen Bildung im Besonderen. Darüber hinaus hat er die Aufgabe, den (Geo-)Tourismus in der Region zu fördern. Während der Tagesexkursion werden die Ziele sowie die inhaltlichen und didaktischen Konzepte des Geoparks vorgestellt, verknüpft mit dem Besuch auch für forschende Geowissenschaftler attraktiver Lokalitäten. Die Exkursion gibt einen Querschnitt über die geologischen Besonderheiten des Geoparkgebietes im Zentrum des känozoischen Eger-Riftes, vor allem auch mit Berührung zum Tagungsthema. Abfahrt 8.00 Uhr Halt 1: Karchesgraben (Landschaftsgeschichte, insbesondere zu Fragen der Tektonik, Vergletscherung und des Bergbaus) Halt 2: Felsenlabyrinth Luisenburg (Europas größtes Felsenmeer) Halt 3: Steinbruch Hirschentanz (tertiärer Vulkanismus) Halt 4: Kontinentale Tiefbohrung KTB in Windischeschenbach (Ziele und Ergebnisse der Bohrung, Umweltbildung, Bohrung und Landschaftsgeschichte) Halt 5: Rauher Kulm (tertiärer Vulkanismus, Basalt-Blockhalde, Archäologie).

Rückkehr gegen 19 Uhr

Rucksackverpflegung, kurze Kaffeepause (nicht im Exkursionspreis inbegriffen).

 

D Steinzeit auf der Frankenalb

Unteres Altmühltal - Sesselfelsgrotte – Abri 1 – Klausenhöhlen -
Abensberg-Arnhofen - Donaudurchbruch
Leitung: Thorsten Uthmeier, Leif Steguweit

Die Exkursion führt zu teilweise nicht öffentlich zugänglichen archäologischen Fundstellen vom Paläolithikum bis zum Neolithikum und deckt den Zeitraum seit dem letzten Interglazial bis ins Holozän ab. Im Mittelpunkt stehen die paläolithischen Fundstellen des unteren Altmühltals, das aufgrund der Dichte der Fundstellen, des archäologischen Fundbestands und des Aussagewerts einiger stratigraphischer Abfolgen zu den bedeutenden Fundregionen in Europa zählt. Ein zentraler Exkursionspunkt wird die Sesselfelsgrotte bei Neuessing sein. Ihre stratigraphische Sequenz ist nach jetzigem Kenntnisstand die längste quartäre Abfolge Bayerns und ermöglicht dank des reichhaltigen archäologischen Materials aus verschiedenen stratigraphischen Einheiten Untersuchungen zur Lebensweise des Neandertalers und früher moderner Menschen unter wechselnden Klimaverhältnissen. In unmittelbarer Nähe zur Sesselfelsgrotte befinden sich das Abri I im Dorf sowie die Klausenhöhle. Anhand der hier aufgeschlossenen Fundschichten (Abbildung Artefakte Abri - 2 , s. Dowloads) lassen sich wichtige Merkmale einer mobilen, aneignenden Wirtschaftsweise aufzeigen, wie sie für die meisten Abschnitte des Pleistozäns und beginnenden Holozäns typisch gewesen ist. Auf dem Rückweg ist ein Besuch an einem der größten neolithischen Feuersteinbergwerke Mitteleuropas, dem Hornsteinbergwerk von Abensberg-Arnhofen, geplant. Es illustriert am Beispiel der Rohstoffgewinnung und -weitergabe exemplarisch die einschneidenden Veränderungen, die sich aus der Umstellung auf eine sesshafte, durch Ackerbau und Viehzucht charakterisierte Wirtschaftsweise am Beginn des 6. Jahrtausends v. Chr. ergeben. Den Abschluss der Exkursion bildet der spektakuläre Donaudurchbruch bei Kloster Weltenburg. 

Zu Mittag erfolgt Einkehr in einem Gasthof (nicht im Exkursionspreis inbegriffen!).

E Geologische Highlights Oberfrankens

Leitung: Johann Rohrmüller, Jürgen Both (Bayerisches Landesamt für Umwelt)

Auf dieser Exkusion lernen sie geologische Besonderheiten nicht nur Oberfrankens kennen. Die weitere Umgebung Bayreuths bietet eine sehr vielfälige Geologie mit dem variszischen Grundgebirge und dem mesozoischen Bruchschollenland sowie känozoischen Vulkaniten. Es werden Beispiele der „Hundert schönsten Geotope Bayerns“ und weitere geologische Highlights besucht.

 

In den vergangenen Jahren wurden am Bayerischen Landesamt für Umwelt besondere geologische Objekte im Rahmen der Geotop-Kartierung aufgenommen und ein Geotop-Kataster angelegt. Mit dem 2011 abgeschlossenen Projekt „Hundert schönste Geotope Bayern“ wurde eine breite Öffentlichkeit auf die geologischen Besonderheiten der bayerischen Heimat aufmerksam gemacht. Geotope sind Lesezeichen der Erdgeschichte. Unter dem Motto „Geologie erleben“ sollen Besucher angelockt werden und ein Beitrag zur sanften touristischen Erschließung der Landschaften geleistet werden.

 

Sonderband Geotope in Oberfranken (2003), als pdf zum kostenlosen Download unter:

http://www.bestellen.bayern.de/application/stmug_app000003?SID=196681483&ACTIONxSETVAL(artdtl_geo.htm,AARTxNODENR:278568,USERxARTIKEL:artlist1.htm)=Z

 Programm und Route

Abfahrt: 08.00 Uhr

 Halt 1: Eklogit am Weißenstein, Hochdruckmetamorphose der Münchberger Masse

 Halt 2: Drei-Brüder-Felsen südlich Weißenstadt, Granitverwitterung im Fichtelgebirge

 Halt 3: Wunsiedler Marmor Wunsiedel/Sinatengrün, Marmor des Fichtelgebirges

 Mittagessen (nicht im Preis inbegriffen)

 Halt 4: Zelezná Hurka (Eisenbühl) nördlich Neualbenreuth, jüngster quartärer Vulkan des Eger-Rifts

 Halt 5: Steinbruch Hirschentanz, tertiäre Vulkanite und Rahmengesteine

 Halt 6: Bodenmühlwand am Roten Main nordöstlich Wolfsbach, Keuperprofil

 Halt 7: Fossiliengrube Mistelgau, Lias-Dogger-Einheiten, von der Tongrube zum geplanten Geo-Erlebnispark

 Rückkehr: 18.30 Uhr

 

 

F Flussgeschichte des Ober- und Mittelmains vom Tertiär bis zum Holozän

Leitung: Wolfgang Schirmer, Michael Friedrich, Maria Knipping

 Kaum ein Flusssystem in Deutschland hat eine derart aufregende Geschichte wie das des Mains. In Kreide und Tertiär entwässerte Nordbayern aus Thüringer Wald, Frankenwald und Teilen des Fichtelgebirges durch das Flusssystem des Moenodanuvius erst nach Süden ins Molassebecken. Seine Ablagerungen finden sich u.a. im Frankenwald-Vorland, auf der Nördlichen Frankenalb und im Rednitzgebiet. Der dem Rhein tributäre "Ur-Main" eroberte vom Spessart aus nach Osten immer weitere Einzugsgebiete des Moenodanuvius, bis etwa an der Wende Plio-/Pleistozän das heutige Mainsystem in Grundzügen geschaffen war.

 Im Altpleistozän erlebte das Mittel- und Obermaingebiet eine kräftige Tiefenerosion bis etwa in das Niveau der heutigen Talsohle. Dieser folgte über mehrere Glazial-Interglazialzyklen hinweg bis ins höhere Cromer eine bis 60 m mächtige Talverschüttung, die "Main-Formation". In diese ist eine mittel- bis jungpleistozäne Terrassentreppe bis auf den heutigen Talgrund hinab eingeschnitten.

 Seit dem letzten Hochglazial akkumulierte der Main drei würmzeitliche und sieben holozäne Terrassen. Letztere sind als Reihenterrassen ausgebildet, in denen zahlreiche "Rannen" (fossile Bäume) liegen. Die Rannen wurden zur Terrassendatierung und dendrochronologischen Kalibrierung der 14C-Zeitskala herangezogen. In den jüngsten Reihenterrassen wird der anthropogene Einfluss auf die Flussdynamik sichtbar.

 Programm:

 8.30 Uhr Abfahrt vom GEO-Parkplaz der Uni Bayreuth

 1.    Thema: Frankenwald-Vorland-Schotter: Präpleistozäne moenodanubische Flussgeschichte, Schotterverwitterung

 2.    Thema: Main-Formation am Obermain: Altpleistozäne Flusswege, Stapel fluviatiler Sedimente, Sedimenttypen: V- und L-Schotter (vertikal und lateral akkumulierter Schotter), Schotterpetrographie, Kaltzeitindikatoren, Böden

 Mittagessenseinkehr (im Exkursionspreis nicht inbegriffen)

3.    Thema: Pleistozäne und holozäne Talgrund-Terrassen: Aufschlüsse durch die Talfüllung bis in den mesozoischen Untergrund. Schachtelterrassen, Reihenterrassen, V- und L-Schotter, Schotterkörnung in Abhängigkeit vom Schottertyp, Dendrochronologie, Palynologie, Böden, OSL, Klimasteuerung im Holozän, Auswirkung des menschlichen Eingriffs in den Talhaushalt.

 Rückkehr nach Bayreuth: ca. 18 h.

Letzte Änderung 23.05.2012