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Stratigraphie und Altersstellung der jungquartären Flussterrassen im Lechtal unterhalb von Augsburg und im angrenzenden Donautal

Patrick Schielein1
1 Lehrstuhl für Physische Geographie, Universität Bamberg

V 1.3 in Progress in Quaternary Stratigraphy

17.09.2012, 10:30-10:50, H8

Das Untersuchungsgebiet der vorliegenden Studie befindet sich im Lechtal unterhalb von Augsburg und im angrenzenden Donautal (Abb. 1). Hier wurden die jungquartären Talböden auf Basis morphologischer und geologisch-sedimentologischer Geländeaufnahmen in zwei würmzeitliche und mindestens neun holozäne Terrasssen gegliedert:

               NT 1 (Würm-Hochglazial)

               NT 3 (Würm-Spätglazial)

               Altholozäne Terrasse (Präboreal bis Boreal)

               Mittelholozäne Terrasse 1 (Atlantikum)

               Mittelholozäne Terrasse 2 (Subboreal)

               Jungholozäne Terrassen (Subatlantikum):

                              Eisenzeitliche Terrasse

                              Römerzeitliche Terrasse

                              Früh- bis Hochmittelalterliche Terrasse

                              Spätmittelalterliche Terrasse

                              Frühneuzeitliche Terrasse

                              Neuzeitliche Terrasse

 

Die chronostratigraphische Einstufung der einzelnen Terrassen wurde mittels absoluter Datierungen (14C, Dendrochronologie, Lumineszenz) aus Flussbettablagerungen und Rinnenfüllungen sowie archäologischer Daten und historischer Karten erreicht. Aus der Verbreitung und dem Aufbau der fluvialen Ablagerungen sowie der Morphologie der Terrassen und deren Alterseinstufung ließ sich die Flussgeschichte von Lech und Donau im Untersuchungsgebiet rekonstruieren.

Im Würm-Hochglazial wurden im Lech- und im Donautal eine Niederterrasse (NT 1) von einem hochenergetischen, verwilderten Fluss (braided river) abgelagert, die aber nur fragmentarisch im südlichen Abschnitt des Lechtals und im Donautal oberhalb des Lechmündungsgebietes erhalten ist. Schon im frühen Spätglazial wurde die NT 1 vermutlich großflächig wieder ausgeräumt und während des Kälterückschlags der Jüngeren Dryas eine spätglaziale Niederterrasse (NT 3) abgelagert.

Für den Zeitraum des Spätglazials ist in anderen Talabschnitten der Donau eine Umstellung von einem braided river auf einen Mäanderfluss erwiesen. Daher kann dieser flussdynamische Umbruch auch für die Donau oberhalb der Lechmündung vermutet werden. Hier sind alle holozänen Terrassen eindeutig mäandergeformt.

Im unteren Lechtal ist hingegen weder im Spätglazial noch zu Beginn des Holozäns eine Umstellung auf einen rein mäandrierenden Fluss nachzuweisen. Stattdessen besaß der untere Lech im Holozän ein verzweigtes Gerinnemuster (anabranching river) mit nur einzelnen Mäandern. Die alt- bis mittelholozänen Lechterrassen nahmen mit Annäherung an die Mündung vermutlich jeweils die gesamte Talbreite ein und breiteten sich in das Donautal aus. Dabei wurden ältere Ablagerungen immer wieder ausgeräumt, so dass die altholozäne Terrasse nur am Rand des südlichen Talabschnitts und inselartig im Lechmündungsgebiet erhalten ist. Während des Altholozäns wurde außerdem die größte Sohleneintiefung des Lechs erreicht. Davon zeugt ein im Mündungsgebiet vermutlich großflächig erhaltener altholozäner Sockelschotter im Liegenden jüngerer Terrassen. Auch die atlantische Terrasse ist nur randlich im südlichen Untersuchungsgebiet erhalten, da sie im Subboreal ausgeräumt wurde. Die vermutlich mehrgliedrige subboreale Terrasse dominiert heute das Lechmündungsgebiet und erstreckt sich weiträumig in das angrenzende Donautal. Die jungholozänen Lechterrassen, die seit dem Beginn des Subatlantikums entstanden sind, zeigen einen flussdynamischen Umbruch an. Es kam während des Subatlantikums im Lechtal zur Entstehung von sechs Terrassen in relativ kurzer Zeit, die vor allem im Mündungsgebiet deutliche Mäandertendenzen zeigen. Die Lechterrassen verzahnen sich im Mündungsgebiet mit den jungholozänen Donauterrassen. Außerdem verengt sich im Lechtal die Flussaue im Vergleich zu den älteren holozänen Flussterrassen und in allen Talabschnitten werden flächenhaft Auenmergel abgelagert.

Im Donautal unterhalb der Lechmündung sind zwar keine älteren holozänen Terrassen als die subboreale erhalten, die vorhandenen Terrassen zeigen aber an, dass die fluviale Dynamik hier stark vom Lech beeinflusst war. So entsprechen hier Morphologie und Ausdehnung der subborealen Donauterrasse denen der Lechterrasse. Der Baustil der jungholozänen Terrassen stellt dagegen eine Übergangsform dar zwischen den mäandergeformten Donauterrassen oberhalb der Mündung und den Lechterrassen, die selbst von einem teils mäandrierenden, teils verzweigten Fluss abgelagert wurden.

Die unterschiedliche Flussdynamik des Lechs und der Donau oberhalb und unterhalb der Mündung zeigt sich auch deutlich in Karten aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Die historischen Flussläufe erlaubten eine quantitative Analyse der Gerinnemuster, womit die qualitativen Aussagen zur unterschiedlichen Flussdynamik von Lech und Donau bestätigt werden konnten.

Abb. 1: Lage des Untersuchungsgebietes
Abb. 1: Lage des Untersuchungsgebietes



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last modified 2012-08-08