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Aquiferspeicher – Wo fängt das Grundwasser an und wo hört es auf?

Tobias Rudolph1, Dietmar Barnewold, Frank Holschumacher
1 E.ON Gas Storage

P 11.1 in Wärme-, Energie- und Kohlenstoffspeicherung im Untergrund

Zur Sicherung der Erdgasversorgung und zum Ausgleich von mittelfristigen Schwan-kungen im Erdgasverbrauch werden in Deutschland in Untergrundspeicher im Jahr etwa 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas eingelagert (LBEG 2012). Hierbei handelt es sich um Kavernenspeicher in den Salzgesteinen Nord- und Nordwest-Deutschlands sowie um Porenspeicher in Mittel- und Süddeutschland. Die Poren-speicher lassen sich weiter in umgewidmete, ausgeförderte Gas- und Öllagerstätten sowie in Aquiferspeicher unterteilen.

Bei Aquiferspeichern handelt es sich um geologische Fallenstrukturen, in die in der geologischen Geschichte nie Kohlenwas-serstoffe migriert sind und daher nur mit Formationswässern gefüllt sind. Während der Nutzung als Gasspeicher wird das Formationswasser durch das Einbringen des Gases verdrängt. Die Menge des maximal einbringbaren Gases wird durch die Größe der Struktur und durch das mögliche Druckspiel definiert. Über den Lauf eines Jahres kann nun das eingespeichert Gas umgeschlagen werden.

Die bergbaulichen Aktivitäten und die Möglichkeiten der Untergrundspeicherung in ehemaligen Lagerstätten werden im Bundesberggesetz (BBergG) beschrieben. Hierzu gehören vor allem die Schritte von der Erlaubnis bis zur Bewilligung mit den verschiedenen Betriebsplänen zum Betrieb und Nachsorge eines Standortes (BbergG 1980). Im BBergG sind aber keine Hinweise auf die Nutzung oder Beeinflussung von Wässern, sei es flaches, nutzbares Grund-wasser oder tiefes, salinares und somit kaum nutzbares Lagerstätten- oder Forma-tionswasser zu finden.

Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) be-schreibt im Gegensatz zum BBergG die möglichen Aktivitäten im Bereich des Grundwassers und geht hierbei auf die Schutzwürdigkeit des Grundwassers ein (WHG 2009). Als Grundwasser wird im WHG das Wasser in der Sättigungszone beschrieben. Hierbei wird nicht zwischen oberflächennahen, nutzbaren und tiefen, salinaren Lagerstätten- oder Formations-wässern unterschieden. Die Aquiferspeicher benötigen somit eine wasserrechtliche Erlaubnis.

Durch die verschiedenen Zielsetzungen des BBergG und des WHG sowie der immer größerem Beachtung des WHG entwickeln sich somit für den täglichen Betrieb sowie die Nachsorge eines Gasspeichers verschiedene hydrogeologischen Fragestellungen und Herausforderungen. Ganz besondere Beachtung gilt hier der Frage der Definition und der Reichweite des Begriffes des Grundwassers. Diese Unschärfe gilt es heutzutage im Betriebsplanverfahren mit den beteiligten Behörden zu adressieren.



LBEG (2012): Untertage-Gasspeicherung in Deutschland. – Erdöl Erdgas Kohle; (128) 11, S. 412-423, 2 Abb. 7 Tab.

BBergG (1980): Bundesberggesetz vom 13. August 1980 in der letzten Änderung vom 31. Juli 2009.

WHG (2009): Wasserhaushaltsgesetz vom 31. Juli 2009 in der letzten Änderung vom 8. April 2013.

Letzte Änderung 16.09.2013