Uni-Bayreuth

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Errichtung und Schutz nachhaltiger Trinkwasserversorgungen in alpinen Tälern, Fallbeispiel Ebene Reichenau (Kärnten)

Sylke Hilberg1, Franz Riepler2, Jochen Schlamberger3
1 Fachbereich Geographie und Geologie, Universität Salzburg
2 GWU Geologie-Wasser-Umwelt GmbH
3 Amt der Kärntner Landesregierung

O 4.3 in Alpine Hydrogeologie

30.05.2014, 18:00-18:20, H18, NW II

In alpinen Tälern ergeben sich aufgrund der räumlichen Beschränkungen oft Konflikte zwischen den Nutzungsansprüchen (Siedlungstätigkeit, Landwirtschaft, Gewerbenutzung, Tourismus) einerseits und den Schutzerfordernissen für Trinkwasserversorgungen andererseits. Zusätzliche Herausforderungen ergeben sich aufgrund der oft erschwerten Zugänglichkeit potentiell nutzbarer Quellen im Gebirge. Die Errichtung nachhaltiger Trinkwasserversorgungen in alpinen Siedlungsräumen stellt daher eine besondere Herausforderung dar.

Das Fallbeispiel beschreibt die Suche nach einer geeigneten Wasserversorgung für eine touristisch geprägte Gemeinde in Oberkärnten. Der Hauptsiedlungsraum liegt im glazial und fluviatil geprägten Talraum. Das orografische Einzugsgebiet erstreckt sich über eine Höhenlage zwischen 1.000 m und 2.300 m Seehöhe. Der Talraum ist umgeben von generell gering wasserführenden paläozoischen Phylliten, die jedoch in weiten Bereichen oberflächlich aufgelockert sind und teilweise von Hangschuttmassen bedeckt werden. Basierend auf den Ergebnissen geologisch-hydrogeologischer Kartierungen wurden potentielle Wassernutzungen (Quellen und Brunnenstandorte) näher untersucht.

In einem kombinierten Ansatz verschiedener Erkundungsmethoden (hydrogeologische Kartierung, geophysikalische Untersuchungen, Bohrungen, Hydrochemie und Isotopenuntersuchungen) wurden Poren- und Kluftaquifere im orografischen Einzugsgebiet betrachtet. Dabei ergab sich eine unerwartet komplexe Internstruktur der Talfüllung mit einem bis dahin nicht bekannten (durch eine Deckschicht aus Stausedimenten geschützten) zweiten Grundwasserstockwerk. Die Auswertung von Zeitreihen stabiler Isotope aus Quellwässern der angrenzenden Kluftaquifere und den Wässern beider Grundwasserstockwerke ergab deutliche Unterschiede in der mittleren Höhenlage ihrer Einzugsgebiete. Während der Großteil der Quellen und das obere Grundwasserstockwerk sehr ähnliche Isotopensignaturen aufwiesen und auf ein lokales Einzugsgebiet schließen ließen, konnten die Daten aus dem tieferen Grundwasserstockwerk und einem großen Quellaustritt auf Talniveau nur durch eine Dotation aus einem deutlich höheren, weit vom Siedlungsraum entfernten Einzugsgebiet erklärt werden. Der ursprünglich als Kluftquelle mit lokalem Einzugsgebiet interpretierte Quellaustritt konnte dadurch als natürlicher Austritt eines artesisch gespannten Grundwasserstockwerks identifiziert werden.

Die Ergebnisse der Detailuntersuchungen ermöglichten die Errichtung einer gut schützbaren und nachhaltig nutzbaren Wasserversorgung in einem technisch leicht zugänglichen Gebiet innerhalb eines alpinen Versorgungsraumes.



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Letzte Änderung 25.10.2013