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Risikofolgenabschätzung für Erneuerbare-Energien-Anlagen auf Grundwasservorkommen – Best-Practice- und Worst-Case-Beispiele in bayerischen Wasserschutzgebieten

Jessica Hövelborn1, Markus Rauh1
1 Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V.

P 12.2 in Grundwasserqualität

Die Energiewende stellt eine weitere konkurrierende Nutzung der Ressourcen Boden und Grundwasser dar. Der Ausbau erneuerbarer Energien trifft insbesondere die Trinkwasserversorgung mit teilweise großräumigen Schutzgebieten abseits der Ballungsräume, die potenziell als Standorte für EEG-Anlagen in Frage kommen. Grundlage für ein Miteinander ist das Erkennen und proaktive Vermeiden von kurz-, mittel- und langfristigen Risiken. Die Wasserversorger haben hierin langjährige Erfahrung, nicht nur im Bereich EEG-Anlagen.

 

Im Freistaat Bayern werden ca. 90 Prozent des Trinkwassers aus Grund- und Quellwasser gewonnen, das überwiegend naturbelassen an die Kunden abgegeben werden kann. Da nur rund fünf Prozent der Landesfläche als Wasserschutzgebiete ausgewiesen sind, in denen mit der Wasserschutzgebietsverordnung besondere Bestimmungen zum Schutz der Trinkwassergewinnungsgebiete gelten, tragen die bayerischen Wasserversorger mit individuellen Maßnahmen zum Schutz der Grundwassereinzugsgebiete bei.

 

Im Zuge der Energiewende und des damit einhergehenden Umbaus der Energieerzeugung hin zu erneuerbaren Energien wird die Inanspruchnahme von Flächen stark zunehmen. Dabei können in unterschiedlicher Intensität Gefährdungen beim Bau und Betrieb von Photovoltaik-, Biogas-, Windkraft- und Geothermieanlagen für das Grundwasser ausgehen. Unsichtbare Gefahren bergen beispielsweise Leckagen in Biogasanlagen, die Offenlegung von Erdschichten beim Bau von Fundamenten sowie Tiefenbohrungen. Auch ein verstärkter Energiepflanzenanbau und Monokulturen können durch die Düngungsintensivierung die Auswaschungsgefahr von Nitrat und Pflanzenschutzmittelrückständen in das Grundwasser erhöhen. Auch bei Bohrungen zur Schiefergasförderung und Geothermie oder bei der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid (CCS) sind Auswirkungen auf das Grundwasser zu berücksichtigen.

 

Aktuelle Beispiele in Bayern zeigen die Notwendigkeit zur vorausschauenden Identifikation von Gefährdungsszenarien und dass für bauliche Anlagen in Wasserschutzgebieten hohe Ansprüche an die technische Ausführung einzuhalten sind.

 

Wasserwirtschaftlichen Gefährdungspotenzialen kann vorgebeugt werden, indem zum Schutz der Trinkwasservorkommen der grundwasserschonenden Bewirtschaftung und dem vorsorgenden Gewässerschutzauch in Zukunft weiterhin ein sehr hoher Stellenwert beigemessen wird – damit auch in Zukunft im Freistaat im wörtlichen Sinne Trink-Wasser aus der Leitung kommt, das überwiegend naturbelassen ist.



Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (Hg.): Wasser für Bayern, Müchen 2012

Letzte Änderung 26.05.2014