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Welchen Einfluss haben Revitalisierungen auf die Grundwasser-Oberflächenwasser-Interaktionen?

Anne-Marie Kurth1, Mario Schirmer1
1 Wasserressourcen und Trinkwasser, Eawag

O 4.4 in Alpine Hydrogeologie

30.05.2014, 18:20-18:40, H18, NW II

Das Revitalisieren von Fliessgewässern ist eine mittlerweile weltweit anerkannte Methode zur Aufrechterhaltung des Hochwasserschutzes, zur Bewahrung der Integrität von Ökosystemen, und zum Schutz wertvoller Wasserressourcen (z.B. Wortley et al. 2013). Einige Länder, z.B. die EU oder die Schweiz, haben daher die Revitalisierung beeinträchtigter Fliessgewässer in ihren Gesetzen verankert. In der Schweiz gilt seit Januar 2011 ein revidiertes Gewässerschutzgesetz, welches Revitalisierungen vorschreibt und die Kantone verpflichtet, bis 2015 ihren Revitalisierungsbedarf festzulegen (GSchG 814.20). Insgesamt sollen so in den nächsten 80 Jahren 4000 km degradierter Fliessgewässer wieder in einen naturnaheren Zustand überführt werden. Die Fliessgewässerrevitalisierung in der Schweiz hat sich bereits im Laufe der letzten 30 Jahre, unabhängig von gesetzlichen Vorschriften, von einer umstrittenen Seltenheit zu einer Selbstverständlichkeit entwickelt. Trotz dieses immensen Erfolges dieser Entwicklung stellt sich die Frage, wie erfolgreich die eigentlichen Revitalisierungsmassnahmen tatsächlich sind. Mittlerweile gibt es verschiedene tools um verschiedene Aspekte der Fliessgewässer vor und nach deren Revitalisierung zu bewerten und so deren Erfolg zu untersuchen (z.B. Woolsey et al 2005). Diese tools vernachlässigen jedoch die Grundwasser-Oberflächenwasser-Interaktionen, die einen Einfluss auf das Flussökosystem haben können. Eine Möglichkeit zur relativ einfachen Untersuchung der Grundwasser-Oberflächenwasser-Interaktionen bietet das Distributed Temperature Sensing (DTS). Diese Methode ermöglicht  zeitgleiche Temperaturmessungen mit einer Genauigkeit von bis zu 0.01 °C auf Distanzen bis zu 30 km (Selker et al. 2006). Bei entsprechendem Grundwasserpegel lassen sich auf diese Weise relativ einfach Rückschlüsse auf die Grundwasser-Oberflächenwasser-Interaktionen schliessen. In unserer Studie wurden hierzu der Chriesbach kurz vor und nach seiner Revitalisierung mittels DTS auf seine Grundwasser-Oberflächenwasser-
Interaktionen untersucht und mit natürlichen und naturnahen Bächen ähnlicher Grösse verglichen. Zudem wurde ein Glasfaserkabel in ca. 40 cm Tiefe in das Bachbett eingebracht, um die Langzeit-Veränderungen in der hyporheischen Zone, sowie der Grundwasser-Oberflächenwasser-
Interaktionen nach der Revitalisierung zu untersuchen. Neben einer Erfolgskontrolle bzgl. der Grundwasser-Oberflächenwasser-Interaktionen könnte man damit auch abschätzen, wie sich die Bedingungen für das Ökosystem verändern könnten. Da Langzeitmessungen an diesen Standorten sehr Zeitintensiv sind, wurde die letzte Studie mit einem autonomen Messsystem durchgeführt, welches ferngesteuert und vollautomatisiert Temperaturdaten erhebt und auf einen zentralen Server abspeichert ohne dass eine direkte Bedienung notwendig ist.



Gewässerschutzgesetz 814.20 [Available at: http://www.admin.ch/ch/e/rs/c814_20.html]


Selker, J.S., Thévenaz, L., Huwald, H., Mallet, A., Luxemburg, W., van de Giesen, N., Stejskal, M., Zeman, J., Westhoff, M. and Parlange, M.B. (2006): Distributed fibre-optic temperature sensing for hydrologic systems. – Water Resources Research, 42: W12202.


Woolsey, S., Weber, C., Gonser, T., Hoehn, E., Hostmann, M., Junker, B., Roulier, C., Schweizer, S., Tiegs, S., Tockner, K. and Peter, A., 2005. Handbook for evaluating rehabilitation projects in rivers and streams. Publication by the Rhone-Thur project: Eawag, WSL, LCH-EPFL, VAW-ETHZ [online], p.108.


Wortley, L., Hero, J-M., Howes, M., 2013. Evaluating Ecological Restoration Success: A Review of the Literature. Restoration Ecology, 21 (5), pp. 537 – 543. DOI 10.1111/rec.12028.



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Letzte Änderung 31.10.2013