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Auswirkungen der Urbanisierung und des Klimawandels auf das oberflächennahe Temperaturfeld von Berlin

Alexander Limberg1, Andreas Henning2
1 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Landesgeologie
2 Hennning Energie- und Umweltberatung

O 9.2 in Urbane Hydrogeologie

29.05.2014, 15:40-16:00, H17, NW II

Auswirkungen der Urbanisierung und des Klimawandels auf das oberflächennahe Temperaturfeld von Berlin

Andreas Henning[1] & Alexander Limberg[2]

Kurzfassung

Das Temperaturfeld im oberflächennahen Untergrund (bis maximal 100 m Tiefe) wird durch den geothermischen Energievorrat in großer Tiefe und durch die mittlere Jahrestemperatur an der Erdoberfläche, d. h. der Grenzfläche Luft / Erde bestimmt. Im Gegensatz zur konstanten Erdwärmestromdichte ist die mittlere Jahrestemperatur an der Erdoberfläche von den lokal vorherrschenden klimatischen Bedingungen abhängig, die gerade in den letzten 100 Jahren im Land Berlin durch die zunehmende Urbanisierung einer stetigen Veränderung unterzogen sind.

Die mittlere Oberflächentemperatur stellt für die Entwicklung des Temperaturfeldes bis in mehr als 100 m Tiefe eine wesentliche Größe dar.

Seit mehr als 30 Jahren werden im Land Berlin in tiefen Grundwassermessstellen, die über das ganze Stadtgebiet des Landes Berlin verteilt sind, regelmäßig Temperaturmessungen durchgeführt. Gerade in den letzten Jahrzehnten ist eine zunehmende Beeinflussung der Untergrundtemperatur in zahlreichen Temperaturprofilen im Land Berlin zu beobachten.

Auf Grundlage von Langzeituntersuchungen kann gezeigt werden, dass diese Temperaturveränderungen zum einen im Zusammenhang mit den lokalklimatischen Veränderungen aufgrund der baulichen Entwicklung stehen.

Neben den lokalklimatischen Veränderungen macht sich zum anderen zusätzlich auch der Einfluss des auf der nördlichen Hemisphäre zu beobachtenden Klimawandels auf die Temperatur im oberflächennahen Untergrund bemerkbar. Dieser Temperaturanstieg führt zu einer merklichen Störung des Temperaturgleichgewichts im oberflächennahen Untergrund, der auch unterhalb der neutralen Zone bei Messstellen im Land Berlin zu beobachten ist.

Die Untersuchungsergebnisse belegen, dass von einer tief greifenden Erwärmung des jahreszeitlich beeinflussten (bis 20 m Tiefe) und des oberflächennahen Untergrunds (bis 100 m Tiefe) und somit auch des Grundwassers auszugehen ist.

Die beobachteten Temperaturverläufe mit der Tiefe zeigen, dass der Temperaturangleich im tieferen Untergrund noch nicht abgeschlossen ist. Mit zunehmender Zeit wird sich bei unverändert wirkenden Oberflächentemperaturrandbedingungen der Untergrund weiter erwärmen.


[1]     Andreas Henning, Energie- und Umweltberatung, Rothenbücherweg 53 a, 14089 Berlin,
e-mail: andreas.henning@henning-umwelt.de

[2]    alexander Limberg, Geologie und Grundwassermanagement, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Brückenstraße 6, 10179 Berlin, e-mail: Alexander.Limberg@senstadtum.berlin.de



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Letzte Änderung 31.10.2013