Uni-Bayreuth

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Flussrevitalisierungen und künstliche Grundwasseranreicherung zur Dämpfung von Hochwasserspitzen – Untersuchungen im Einzugsgebiet der Thur (Schweiz)

Dirk Radny1, Mario Schirmer1
1 Dep. Wasserresourcen und Trinkwasser, Eawag

O 4.5 in Alpine Hydrogeologie

30.05.2014, 18:40-19:00, H18, NW II

Das Einzugsgebiet der Thur im Nordosten der Schweiz beinhaltet voralpine Grundwassersysteme, welche eine wichtige Rolle für die Trinkwasserversorgung und die alluvialen Grundwasserleiter im Mittelland spielen. Die vorwiegend kanalisierte Thur drainiert die Vorgebirge der Schweizer Kalkalpen in Richtung Rhein und ist zudem der grösste Fluss in der Schweiz, welcher keine Retentionsbecken wie z. B. Seen im Verlauf aufweist. Der Abfluss der Thur ist sehr dynamisch und liegt zwischen 3 und 1100 m3/s (mittlerer Abfluss bei etwa 53 m3/s). Zahlreiche Brunnen entlang der Thur und im Thur-Tal werden für die Trinkwasserversorgung genutzt. Allerdings fallen einige dieser Brunnen nach längeren Trockenperioden im Sommer trocken, wohingegen periodisch auftretende Hochwasser nach der Schneeschmelze im späten Frühling substantielle Schäden verursachen können.

Im multidisziplinären RECORD Catchment Projekt, ein Folgeprojekt des RECORD Projektes (RECORD – REstored CORridor Dynamics) untersuchen wir, welche Massnahmen am effektivsten einen Flusskorridor beeinflussen können, so dass sowohl das Trockenfallen von Brunnen, als auch Hochwasserereignisse verhindert bzw. zumindest gedämpft werden können. Hierbei stehen vor allem Flussrevitalisierungen und die künstliche Grundwasseranreicherung im Fokus der Untersuchungen. Weiterhin versuchen wir, Schlüsselindikatoren herzuleiten, um Empfehlungen für zukünftige Flussrevitalisierungsprojekte entlang der Thur geben zu können.

Mit der Kombination von ökologisch und ökonomisch nachhaltiger Wassergewinnung und –speicherung kann das Wasser innerhalb eines Einzugsgebietes räumlich und zeitlich umverteilt werden. Dies kann durch eine Kombination von Flussrevitalisierungen, welche dem Fluss mehr Platz geben und eine verstärke Oberflächenwasser-/Grundwasserinteraktion ermöglichen, sowie dem Rückhalt und der Umverteilung innerhalb von Teileinzugsgebieten, Retentionsbecken und künstlicher Grundwasseranreicherung erreicht werden. Weiterhin untersuchen wir die Hypothesen, ob durch Flussrevitalisierungen ein verstärkter hyporheischer Austausch stattfindet und ob durch eine verstärkte Interaktion mit ufernahen Bereichen die Qualität des Flusswassers verbessert wird. Zusätzlich können z.B. im Fluss befindliche Spurenstoffe im Untergrund teilweise wesentlich effektiver durch Mikroorganismen eliminiert werden, als dies durch Abwasserreinigungsanlagen erreicht wird. Eine Verbesserung der Wasserqualität im gesamten Thur-Einzugsgebiet wäre hierdurch erreichbar.



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Letzte Änderung 31.10.2013