Uni-Bayreuth

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Bewertung eines Schadensfalls mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen im Stadtgebiet Nürnberg

Thomas Gläßer1, Anssi Myrttinen1, Johannes Barth1
1 Lehrstuhl für Angewandte Geologie, Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg/Erlangen, Geozentrum Nordbayern

O 15.3 in Forum Junge Hydrogeologen (H 36, NW III)

28.05.2014, 12:40-13:00, H36, NWIII

Ziel der Untersuchung war es, den Abbau und die Ausbreitung einer Schadstofffahne leichtflüchtiger halogenierter Kohlenwasserstoffe (LHKW), ausgehend von einem zentral gelegenen Schadensherd in der Stadt Nürnberg, zu bestimmen.

Zur Klärung trugen hier die Recherchen der historischen Nutzung des Geländes, das Zusammentragen früherer Analyseergebnisse und die Auswertung aktueller Laborwerte bei. Genauer eingegangen wurde auf Eh- und pH-Werte, die Alkalität, Chlorid- und LHKW-Konzentrationen, Untersuchungen zur Wasserisotopie und DIC sowie Kf-Wert.

Im Untersuchungsgebiet (~700x350m) war der Mittelwert des pH bei 7,4. Durch chemische Reaktionsprodukte aus dem LHKW Abbau könnte der pH-Wert in einen Bereich verschoben werden, in dem chemisch/physikalischer, sowie biologischer Abbau nur noch erschwert möglich ist. Die Alkalität des Grundwassers im Untersuchungsgebiet ist jedoch ausreichend, um den pH-Wert genügend zu puffern.

Der Mittelwert des Eh im Untersuchungsgebiet betrug 80mV. 76 von 98 Eh‑Werten lagen im positiven Bereich. Im Untergrund herrschte somit überwiegend ein oxidierendes Milieu vor, was den biologischen Abbau zwar zulässt, aber die anaeroben Mikroorganismen hemmt Knorr & von Schell (1997). Die erhöhten Chloridgehalte im kontaminierten Grundwasser können diverse Ursachen haben, sollten aber nach Schläger (1998), bei biologischem Abbau höher sein. Ein Indiz für eindeutigen LHKW-Abbau war im Verhältnis von Per- zu Trichlorethen (PER/TRI Verhältnis) erkennbar. Etwa 700m vom Schadensherd entfernt, betrug PER/TRI nur noch ein Zehntel des im Schadensherd bestimmten Verhältnisses.

Das Maximum von LHKWgesamt lag 1997 im Schadenszentrum bei 174.000 µg/L. Dies überschritt den Grenzwert von 10µg/L der Trinkwasserverordnung (TVO) Grohmann & Aurand (2003) um das 17.400fache. Durch Sanierungsmaßnahmen konnten die Werte bis 2011 auf ein Mittel von 3.259 µg/L gesenkt werden. Dabei wurden nach einem Gutachten, bei einem Bodenaushub von etwa 7800 Tonnen, mindestens 1,2 Tonnen LHKW entfernt.

Im Durchschnitt lag 2012, an drei beprobten Hausbrunnen, LHKWgesamt bei 25,4 µg/L. Dieser Wert entspricht dem Zweieinhalbfachen der TVO und regt, bei Bestätigung einer Kanzerogenität, zu weiteren Sanierungsmassnahmen an. Bei Überlegungen zu weiteren Sanierungsmassnahmen zeigte, bei vorliegender Geologie und bereits getroffenen Maßnahmen, eine Air-Sparging-Anlage die meisten Vorteile. Zudem wird sie an anderen Stellen, Griebler & Mösslacher (2003), Karg (1999), Schläger (1998), bereits diskutiert und vorgeschlagen.



Grohmann, A., Aurand, K. (2003): Die Trinkwasserverordnung: 821 S., Berlin (Schmidt)

Griebler, C., Mösslacher, F. (2003): Grundwasserökologie: 495 S., Wien (Facultas Universitätsverlag)

Karg, F. (1999): Verhalten von Untergrundkontaminationen leichtflüchtiger halogenierter Kohelenwasserstoffe (LHKW) am Beispiel eines Industriestandortes: 176 S., Marburg/Lahn (Dissertation LMU)

Knorr, C., Schell, T. von (1997): Mikrobieller Schadstoffabbau: 466 S., Braunschweig, Wiesbaden (Vieweg)

Schläger, A. (1998): Ausbreitung von leichtflüchtigen Halogenkohlenwasserstoffen (LHKW) im Untergrund Münchens: 166 S, München (Dissertation LMU)



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Letzte Änderung 30.04.2014