Uni-Bayreuth

Sprungmarken

 

Auswirkungen einer über 10-jährigen Vernässung eines Bruchwalds mit gereinigtem Abwasser

Florian Jenn1, Frank Koinzer1, Hans-Jürgen Voigt1
1 LS Umweltgeologie, BTU Cottbus

O 6.3 in Grundwasser-, Boden- und Oberflächenwasser-Interaktionen

30.05.2014, 11:40-12:00, H19, NW II

In einem Teilprojekt von „INKA BB“ (Innovationsnetzwerk Klimaanpassung Brandenburg-Berlin) wird ein seit 2000 mit gereinigtem Abwasser wiedervernässter Erlenbruchwald hinsichtlich seines Einflusses auf das Grundwasser untersucht. Bei einer vorangehenden bodenkundlichen und geochemischen Bewertung der dortigen Torfe (Jenn 2008) festgestellt, daß die Degradierung nicht vollständig aufgehalten wurde, es aber immerhin zu einem Verbesserung des Zustandes kam. Es war aber auch eine fortgesetzte Freisetzung von Nährstoffen, begünstigt durch die teilweise starken Wasserstandsschwankungen, zu befürchten. In der vorliegenden Untersuchung sollte darum die Wechselwirkung Boden – Vernässungswasser – Grundwasser – Oberflächenwasser betrachtet werden. Das zu Beginn der Vernässung errichtete Messnetz (Möller & Kade 2004) war größtenteils noch in einsatzfähigem Zustand, wurde aber seit 2001 nicht mehr betreut. Es liegen deswegen keine durchgehenden Zeitreihen vor, sondern es können nur damaliger und jetziger Zustand verglichen werden. Hauptsächlich im flachen Grundwasser konnten Veränderungen beobachtet werden:

Die Hauptionenverhältnisse bewegten sich innerhalb weniger als einem Jahr von einer Ca2+-SO42−-HCO3-dominierten Zusammensetzung hin zu einem stärkeren Anteil Na+ und K+, der auch dem Abwasser entspricht. Der Effekt fiel in den Randbereichen aber nur gering aus. Gegenwärtig hat der Na-K-Einluss nur wenig zugenommen, jedoch haben sich die Anionenverhältnisse z.T. Richtung HCO3 verschoben. Dies rührt aus dem Abwasser aber auch den zersetzten Torfen (Abbau organischer Verbindungen) her. Die tieferen Messstellen zeigen auch nach über 10 Jahren keine oder nur geringe (in direkter Nachbarschaft zum Abwasserkanal) Einfluss durch die Vernässung. Dies erklärt sich durch die hydrodynamische Position im Entlastungsgebiet.

Die Stickstoffkonzentrationen im Grundwasser unter dem zentralen Bereich des Bruchwalds haben seit Beginn der Vernässung abgenommen (z.B. TN von ≈2,0 auf ≈1,2mg/l). Am Waldrand (von Vernässung kaum erreicht, darum trocken und weiterhin Torfschwund) sind sie weiterhin hoch. Im Zuleitungsnähe blieben sie im wesentlichen unverändert und z.T. überraschend niedrig (um 0,5mg/l). In den Entwässerungsgräben sind die Konzentrationen mit 1 bis 2mg/l, wie auch in weiter entfernten Drainagen, deutlich niedriger als in den Zuleitungsbereichen (6 bis 8mg/l). Die Vernässung hat also zu keiner Verschlechterung, in Teilen sogar zu einer Verbesserung, der N-Belastung von Grund- und Oberflächenwasser geführt.

Erwartungsgemäß kam es durch die Vernässung zu einer Freisetzung von Phosphor (Reduktion der Fe(III)-Verbindungen, an denen P sorbiert ist) insbesondere im Winter: o-PO4 bis 0,12mg/l unter den stärker vernässten Bereichen, bis 0,08mg/l unter dem Waldrand, um 0,4 in den Zuleitungs- und 0,1 bis 0,3mg/l in den Entwässerungsgräben. Dieser schädliche Einfluss sollte durch eine Verringerung der Wasserstandsschwankungen vermindert werden.



Jenn, F. (2008): Geochemische und bodenphysikalische Bewertung der Durchleitung von behandeltem Abwasser durch degradierte Niedermoorstandorte. Tagung der Fachsektion Hydrogeologie in der DGG, 21.–25.05.08, Göttingen.

Möller, K. & Kade, N. (2004): Behandeltes Abwasser als Ressource. Schriftenreihe Kompetenzzentrum Wasser Berlin, Band 3.



Export as iCal: Export iCal

Letzte Änderung 08.11.2013