Uni-Bayreuth

Sprungmarken

 

Geothermische Anomalie von Frankfurt am Main

Sven Rumohr1
1 Abteilung Wasser, Dezernat Hydrogeologie, Grundwasser, Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie

O 8.8 in Geothermie und Geocooling

29.05.2014, 12:40-13:00, H18, NW II

 

 

In keiner hessischen Stadt wurden bisher mehr große oberflächennahe geothermische Anlagen errichtet als in Frankfurt am Main: bis Ende 2013 wurden rd. 200 Erdwärmesondenanlagen (EWS-Anlagen) in Betrieb genommen. Der Anteil von Anlagen mit einer Heizleistung von ≥ 30 kW, die gemäß VDI 4640 als „große Anlagen“ eingestuft werden, liegt hierbei mit > 25% deutlich über dem anderer großer Städte in Hessen wie Wiesbaden, Kassel oder Fulda (jeweils < 10%) bzw. dem landesweiten Anteil (< 7%)

Die im Innenstadtgebiet von Frankfurt gemessenen Untergrundtemperaturen von rd. 20 °C in 100 m Tiefe und bis zu 26 °C in rd. 150 m Tiefe machen die Stadt hierbei zu einem „heißen Pflaster“ der oberflächennahen Geothermie

Hinweise auf hohe Untergrundtemperatur im Frankfurter Stadtgebiet gab es in der Vergan­genheit bei vereinzelten Wassererschließungsbohrungen ab dem Jahr 1894 wiederholt. Auf­grund der hohen Temperatur und eines gleichzeitig hohen Lösungsgehaltes wurden diese Bohrungen in fast allen Fällen aufgegeben, wie dies für eine Brauchwasserbohrung aus dem Jahr 1924 dokumentiert ist, bei der in 117 m Tiefe ein 21 °C warmes Wasser erschlossen wurde: „Tiefenwasser wegen hoher Temperatur unbrauchbar“.

Erst mit der ab dem Jahr 2002 einsetzenden Errichtung großer geothermischer Anlagen rückte diese an sich alte Beobachtung wieder ins Blickfeld. Die heute vorliegenden Temperaturdaten, die überwiegend im Zusammenhang mit der Planung und Errichtung von EWS-Feldern oder geothermischen Brunnenanlagen in Form von Temperaturprofilen erhoben wurden, belegen, dass hohe Untergrundtemperaturen im gesamten Innenstadtgebiet von Frankfurt auftreten.

Durch die Zusammenführung der Temperaturdaten, die von zahlreichen geothermischen Fachplanungsbüros erhoben wurden, ergab sich die Möglichkeit einer in die Fläche gehenden Auswertung, mit der die Existenz der auf das Innenstadtgebiet beschränkten positiven geothermischen Anomalie nachgewiesen werden konnte.

Temperaturen (°C) in 100 m Tiefe
Temperaturen (°C) in 100 m Tiefe



Export as iCal: Export iCal

Letzte Änderung 11.11.2013