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Schutzwürdige Böden – ein Anwendungsbeispiel für Planung, Boden- und Grundwasserschutz im westlichen Ruhrgebiet

Detlef Rieger1, Patricia Schüll1, Christina Ufer1, Christiane Hellmann2
1 Lippe Wassertechnik GmbH
2 Emschergenossenschaft

P 6.22 in Groundwater, soil and surface water interactions

Mit dem BBodSchG wurde ein Gesetz geschaffen, dass den Schutz des Bodens in den Mittelpunkt stellt. Gemäß §1 sollen Beein­trächtigungen der natürlichen Boden­funktionen vermieden werden. Das LBodSchG NRW ermöglicht, Bodenschutz­gebiete gem. § 21 Abs. 3 BBodSchG aus­zu­wei­sen, „um beson­ders schutzwürdige Böden …zu schützen“.

Das BauGB §1a Abs. 2 fordert sparsamen Umgang mit Grund und Boden (Vorsorge­prinzip). Nach §3 Abs. 2 Nr. 10 ist die Flächenausweisung zum Bodenschutz möglich. Bei Auf­stellung/Änderung von Be­bauungs-/FLN-Plänen sind Belange des Boden­schut­zes in die planeri­sche Abwägung einzustellen. Vorhabensbezogen gilt die natur­schutz­rechtliche Eingriffs­re­gel­ung (BNatSchG §18) entsprechend in einer UVP nach UVPG. Die kommunale Um­set­zung erfolgt durch die Unteren Boden­schutz­behörden.

Die hauptsächlichen Funktionen des Bodens gemäß §2 Abs. 2 BBodSchG sind

  • Lebensgrundlage/-raum für Menschen,
  • Bestandteil des Naturhaushalts, besonders der Wasser-/Nährstoff­kreis­läufe,
  • Abbau-, Ausgleichs- und Aufbaumedium für stoffliche Einwirkungen aufgrund Filter-, Puffer-/Stoffumwandlungseigenschaften, besonders zum Grund­wasserschutz.

Der Grad an Schutzwürdigkeit von Pedotopen wird bewertet nach

  • Archivfunktion der Natur-/Kulturgeschichte,
  • Biotopentwicklungspotenzial (nasse/trockene Böden),
  • Bodenfruchtbarkeit (v.a. landwirtschaftliche Nutzflächen),
  • Regelungs-/Pufferfunktion im Wasser-/Stoffhaushalt.

Die Schutzwürdigkeit wird mit 

sw0     nicht schutzwürdig,

sw1     schutzwürdig, 

sw2     sehr schutzwürdig, 

sw3     besonders schutzwürdig klassifiziert. 

Für die Grundwasserqualität bedeutend sind die Filter-/Regelungs-/Pufferfunktionen der – ggf. schutzwürdigen – Böden. Die Luftkapazität LK Weeff sowie die Kationen­aus­tausch­kapa­zi­tät KAKeff werden zur Beurteilung herangezogen. Das Grundwasserdargebot wird durch die nutzbare Feld­kapazität im effektiven Wurzelraum nFKWe, den kf-Wert und den Grund­wasser­flur­abstand beurteilt.

Mögliche Schadeinflüsse am Bodenkörper bestehen in Verdichtung, Bodensubstrat­ver­mischung, Vernässung/Austrocknung, Verspülung/Verwehung, Eintrag bzw. Mobili­sier­ung von Stör-/Schadstoffen und der Verbringung/Deponierung. 

Grundlage des Bodenschutzes im westlichen Ruhrgebiet ist der Regionale Flächennut­zungs­plan (RNFP). Zwei The­men­karten bewerten die Schutzwürdigkeit der Böden. Im pla­nungs­rechtlichen Vollzug, als Grundlage für Boden­schutz beim Bauen und zur Steuerung städte­baulicher Planungen sind diese Daten zu berücksichtigen.

Anwendungsbeispiel: Der RNFP (M 1:50.000) weist am geplanten Standort zweier RRB bei Gelsenkirchen wegen Natur­nähe, hoher natürlicher Bodenfruchtbarkeit und Wasser­speichervermögen schutz­wür­dige Böden aus. Dies machte eine detaillierte Bodenkartierung und Eingriff-/Ausgleichsbilanzierung nötig. Sie ergab eine Kon­kre­ti­sierung der Aus­wei­sung (so wegen anthropogener Schadeinflüsse), kleinräumige Ab­stu­fung der Schutz­wür­digkeit und den Nachweis von Kompen­sations­flächen.

 

Abb. 1: Anwendungsbeispiel im Rahmen des Emscherumbaus
Abb. 1: Anwendungsbeispiel im Rahmen des Emscherumbaus



AD-HOC-AG Boden (2005): Bodenkundliche Kartieranleitung (KA 5), 5. verbesserte und erweiterte Auflage. - Hrsg.: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Zusammenarbeit mit den staatlichen Geologischen Diensten der Bundesrepublik Deutschland; Hannover

Arbeitsgruppe Fachteam Boden (2010): Arbeitshilfe für die Unteren Bodenschutzbehörden zur Berücksichtigung der Bodenfunktionen in der naturschutzrechtlichen Eingriffs-/Aus­gleichsbewertung. - (Stand 24.08.2010)

BBodSchG (1998): Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten (Bundes-Bodenschutzgesetz - BBodSchG) vom 17. März 1998 (BGBl. I S. 502), zuletzt geändert durch Art. 3 des Gesetzes vom 9. Dezember 2004 (BGBl. I S. 3214)

Bundesverband Boden (2013): Bodenkundliche Baubegleitung BBB. - BVB-Merkblatt Band 2; Berlin

Hölting, B. & Coldewey W.G. (2012): Hydrogeologie - Einführung in die Allgemeine und Ange­wandte Hydrogeologie. - 8. Auflage; Mainz, Münster

Städteregion Ruhr (2009): Regionaler Flächennutzungsplan (RNFP) der Städte Bochum, Essen, Gelsenkirchen, Herne, Mühlheim an der Ruhr, Oberhausen

 

last modified 2013-10-23