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Grundwasserfauna in den Baumbergen, zentrales Münsterland, NRW

Nils Weckwert1, Hans-Jürgen Hahn2, Patricia Göbel1
1 Angewandte Geologie, Universität Münster
2 Universität Koblenz-Landau, Institut für Umweltwissenschaften, Forststraße 7, 76829 Landau, hjhahn@uni-landau.de

P 2.10 in Hydrogeology of hard and jointed rock / Groundwater and karst

Die Baumberge sind ein Höhenrücken im Westen von Münster (Westf., NRW). Mit einer maximalen Höhe von +186 m NN stellen sie die höchste Erhebung im sonst flachen Münsterland dar und fungieren somit als Niederschlagsbarriere mit Niederschlagsmengen von 800-1000 mm/a. Die spät-kreidezeitlichen Gesteinsschichten (Obercampan) im Untergrund bilden eine schüsselartige Synklinalstruktur durch Reliefumkehr, in der sich Grundwasser sammelt und an zahlreichen Überlaufquellen entlang der +120 m NN Höhenlinie überläuft. Auf diesem Niveau verläuft die Grenze zwischen den wasserdurchlässigen, sandigen Mergelsteinen der Baumberge-Schichten (im Hangenden) und den wasserstauenden, tonigen Schluffmergelsteinen der Coesfeld-Schichten (im Liegenden). Grundwasser zirkuliert hauptsächlich durch poröses und geklüftetes Gestein mit untergeordneten verkarsteten Bereichen. Ein verstärktes Schütten der Quellen ist eine starke Reaktion auf heftige Niederschläge. Der Chemismus des Grundwassers ist in allen Quelleinzugsgebieten ähnlich und lässt sich als Ca-HCO3-Typ charakterisieren. Die Baumberge sind eine spärlich besiedelte Region, die durch eine ausgeprägte Land- und Forstwirtschaft gekennzeichnet ist (Göbel, 2010).

Die Grundwasser-Flurabstände betragen in den Kammlagen mehr als 50 m und nehmen in Richtung der Quellen gegen Null ab. Die ermittelten Durchlässigkeitsbeiwerte betragen kf = 10-5 m/s. Es findet kein Austausch mit dem Oberflächenwasser statt. Es besteht vermutlich kein Anschluss zu anderen Grundwasserlebensräumen (Göbel, 2010).

Frühere Untersuchungen zur Ökologie in den Baumbergen zeigen, dass die Quellen durch größtenteils Invertebraten, Bakterien und Pilze besiedelt sind (Preuß & Lugert, 2010). Jedoch blieben Untersuchungen zur Grundwasserfauna aus. Um erste Erkenntnisse über die Grundwasserfauna in den Baumbergen zu erhalten, wurde eine neue Methodik zur Probenahme an Quellen entwickelt. Hinsichtlich der Erforschung vorhandener Grundwasserfauna wurden 15 perennierende Quellen in drei Monaten beprobt. In den Quellen dominieren Sturz- und Grundquellen, sodass zwei unterschiedliche Probenahmetechniken entwickelt werden mussten. In den Sturzquellen wurden eigens dafür entwickelte Fallen (bestehend aus einem Tank mit Planktonnetztrichter) eingehängt, wohingegen die Grundquellen durch eine selbstgebaute Vakuumpumpe beprobt wurden. Um einen direkten Vergleich der Grundwasserfauna in den Quellen mit der Fauna im Grundwasserkörper zu erhalten, wurden einmalig vier Brunnen mittels Netzsammler beprobt.

Das Grundwasser der Baumberge ist arm an TOC (0,9 bis 1,75 mg/l), zeigt einen Sauerstoffgehalt zwischen 5-6 mg/l und eine relative Standardabweichung von 16% bei der Temperatur. Gefundene Grundwasserfauna wurde auf Großgruppenniveau bestimmt; dabei dominieren Crustacea und Nematoda. Untergeordnet kommen auch Gastropoda vor. Die einzelnen Individuen zeigen durchschnittliche Größen von ca. 2-3 mm, wohingegen die Crustacea eine Größe von bis zu 6 mm erreichen können.



Göbel, P. [Hrsg.] (2010): Quellen im Münsterland – Beiträge zur Hydrogeologie, Wasserwirtschaft, Ökologie und Didaktik. – Abh. Westf. Mus. Naturk., 72; Münster.

Preuß, G. & V. Lugert (2010): Mikrobiologie im Grund-und Quellwasser der Baumberge (Kreis Coesfeld, NRW) – Charakterisierung der Bakterienbesiedlung und der Grundwasser-fauna. – in Abh. Westf. Mus. Naturk. 72; Münster.

last modified 2013-11-01