Quantitative Hydrogeologie am Beispiel der Bauwasserhaltung zur Sanierung der Kesslergrube/Südbaden

Adalbert Huss1, Thomas Osberghaus1
1 HPC AG

O 3.2 in Bauen und Grundwasser

15.04.2016, 10:30-10:45, Audimax B, Geb. 30.95

Die Roche Pharma AG saniert im Zeitraum 2015 bis 2020 die Altlast „Kesslergrube“ in Grenzach-Wyhlen/Südbaden. Das Projektbudget für den Bodenaushub einschließlich des erforderlichen Baugrubenverbaus sowie einer Grundwasserhaltung liegt bei mehr als 200 Mio. €. Zur technischen und finanziellen Projektplanung waren realistische Prognosen der Wassermengen notwendig. Darüber hinaus sollten für das Risikobudget auch quanti­ta­tive Informationen zur Prognoseunsicherheit in einem verkarsteten Aquifer vorgelegt wer­den.

Auf kaum einem Gebiet prallen Anspruch und Realität unvereinbarer aufeinander als bei der Dimensionierung von Bauwasserhaltungen. Die durch hydrogeologische Untersuchungen erreichbare Genauigkeit erfüllt i. d. R. nicht  die Ansprüche der Planung, Auslegung und Aus­­schreibung einer großen Bauwasserhaltung. Umso wichtiger ist die Vermittlung von nach­­vollziehbar quantifizierten Risiken bei der Abschätzung des Wasserandrangs in die Bau­­grube. Erst die Quantifizierung von Eintrittswahrscheinlichkeiten für ein bestimmtes Er­eig­nis macht die damit verbundenen Risiken vergleichbar, vorstellbar und wirtschaftlich greif­­bar.

Die hydrogeologisch besondere Situation bei der vorgesehenen Sanierung der Kesslergrube in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rhein innerhalb eines sehr gut durchlässigen Aquifers über einer klüftigen und teilweise verkarsteten Festgesteinssohle erforderte einen dies­be­züglich erweiterten Verfahrensansatz. Das Ziel bestand nicht alleine darin, auf der Grund­la­ge einiger punktueller Untersuchungen eine Abschätzung der zu erwartenden hydrauli­schen Auswirkungen vorzunehmen, sondern diese Abschätzung mit einer Aussage zur Ein­tritts­wahrscheinlichkeit zu verbinden.

Damit bot sich die Möglichkeit, den konventionellen hydrogeologischen Untersuchungs­an­satz mit der grundlegenden Forderung einer quantitativen Wissenschaft zu verbinden. Dem­nach ist die Angabe einer Quantität ohne gleichzeitige Abschätzung der damit verbundenen Unsicherheit ohne Wert. Mit diesem Ansatz wird nicht nur die Vorgehensweise in einem spe­zi­fi­schen Sanierungsfall beschrieben, sondern eine grundsätzlich bislang wenig praktizierte, aber mittelfristig unumgängliche Orientierung in der quantitativen Hydrogeologie.

Der Fachbeitrag beschreibt eine Vorgehensweise, bei welcher lithostratigrafische und hyd­raulische Untersuchungsergebnisse – mit einem einseitigen Signifikanztest verbunden – in eine numerische Auswertung eingehen.

Die Kesslergrube liegt direkt am Ufer des Rheins
Die Kesslergrube liegt direkt am Ufer des Rheins



http://kesslergrube.de



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