Eine Pilotstudie zu Diatomeen- und Nematodengemeinschaften hochalpiner Quellen

Ursula Eisendle-Flöckner1, Maurizio Battegazzore2, Sylke Hilberg1
1 Universität Salzburg
2 ARPA Piemonte

P 6.2 in Grundwasserbiologie

Quellen sind Lebensräume, die als Grundwasseraustritte punktuelle Landschaftselemente darstellen. Im Vergleich zu anderen Süsswasserhabitaten wie zum Beispiel Grundwasser, Fließgewässern und Seen ist über die Lebensgemeinschaften in Quellen vergleichsweise wenig bekannt. Faunistische und floristische Beobachtungen lassen mitunter auf eine typische Quellfauna und – flora schließen.

Da die abiotischen Eigenschaften einer Quelle (z.B.: hydro-chemische und thermische Bedingungen, Nährstoffgehalt, Beschattung) durch die komplexe Kombination von Geomorphologie, Vegetation, Klimazone, Fließdynamik im Aquifer, Seehöhe und Niederschlag des Quell- und Einzugsgebietes bestimmt werden, können Quellen zum einem sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, zum anderen können damit auch eine Vielfalt von Beeinträchtigungen einhergehen. In wieweit mögliche Unterschiede der Quellcharakteristik und deren Beeinträchtigungen die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften beeinflussen und inwieweit ein möglicher Zusammenhang wiederum eine Indikation von Quellen an Hand ihrer Lebensgemeinschaften zulässt, ist erst ansatzweise untersucht.

Quellen stellen auch ein wichtiges „Verzahnungselement“ zwischen Oberflächen- und Grundwasser und zwischen aquatischer und terrestrischer Zone dar. Als Ursprung oft weitverzweigter Gewässersysteme nehmen hochalpine Quellen in diesem Zusammenhang eine besondere Stellung ein. Alpine Quellen im Allgemeinen werden als mögliche lokale und regionale Biodiversitätsressourcen eines Einzugsgebietes und somit als sogenannte Biodiversitäts-Hotspots angesehen. Trotz ihrer besonderen Stellung innerhalb von Flusssystemen, ihrem möglichen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt alpiner Lagen sowie dessen möglicher Gefährdung (z.B. durch klimatisch bedingte und strukturelle Änderungen), sind vor allem hochalpine Quellen ausgesprochen schlecht untersucht.

Mit dem vorliegenden Beitrag werden erste Einblicke in die Lebensgemeinschaften (hoch)alpiner Quellen im Nationalpark Hohe Tauern (Ostalpen, Österreich) gegeben. Die einzelnen Quellen liegen zwischen rund 1880 und 2400 m Seehöhe, weisen überwiegend hohe Sauerstoffsättigung auf (> 90%, mit zwei Ausnahmen – 30, 62 %). Hauptaugenmerk der Präsentation liegt bei zwei Organismengruppen: benthische Diatomeen und freilebenden Nematoden. Alpha-Diversität (Artenzahlen), beta-Diversität (Unterschiede hinsichtlich der Diversität zwischen den einzelnen Quellen) und die Verteilung dominanter Arten wurden untersucht. Neben diesen grundlegenden zönotischen Ansätzen wird abschließend vor allem die mögliche indikative Eignung dieser beiden Gruppen für hochalpine Quellen diskutiert.



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