Umsetzung von Unterhalts-, Ausbau- und Renaturierungsmaßnahmen an Bundeswasserstraßen im Spannungsfeld konkurrierender wasserwirtschaftlicher und naturschutzfachlicher Anforderungen

Hermann Josef Lensing1, Thomas Nuber1
1 Abteilung Geotechnik, Bundesanstalt für Wasserbau

P 3.4 in Bauen und Grundwasser

 

Bei der Durchführung von Unterhalts- und Ausbaumaßnahmen aber auch bei der Umsetzung von Renaturierungsvorhaben an Bundeswasserstraßen sind insbesondere in den verkehrswasserbaulich genutzten Flussauen unterschiedliche, teils konkurrierende Anforderungen zu erfüllen. Neben der verkehrswasserbaulichen Zielstellung der jeweiligen Maßnahme sind hier aus wasserwirtschaftlicher Sicht vor allem die Anforderungen aus dem Hochwasserschutz und aus der Trinkwassergewinnung zu nennen. Der naturschutzfachliche Forderungskatalog ergibt sich vor allem aus der FFH-Richtlinie, der Vogelschutzrichtlinie und der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sowie den nationalen gesetzlichen Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes und der Wasserhaushaltsgesetze. Darüber hinaus sind Randbedingungen, die sich aus der bestehenden Bebauung und der Erholungsfunktion ergeben, zu berücksichtigen.

Aufgrund der funktionellen Verzahnung der Oberflächengewässer mit dem Grundwasser in Flussniederungen beschränken sich die vorhabensbedingten Auswirkungen von Unterhalts-, Ausbau und Renaturierungsmaßnahmen nicht nur auf die betroffenen Flüsse selbst sondern betreffen auch das Grundwasser. Dabei sind nicht nur die quantitativen Parameter GW-Stand und -dynamik sondern ebenfalls das GW-Strömungsfeld und die GW-Beschaffenheit bei der Bewertung zu berücksichtigen. Insbesondere in Flussauen, die zur Trinkwasserversorgung durch Uferfiltrat genutzt werden, bilden daher alle Maßnahmen mit verkehrswasserbaulicher oder naturschutzfachlicher Zielsetzung ein hohes wasserwirtschaftliches Konfliktpotential.

Anhand ausgesuchter Beispiele aus der verkehrswasserbaulichen Praxis werden die kritischen Fragestellungen identifiziert und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt. Schwerpunkte bilden dabei die Bewertung der nutzbaren Prognoseinstrumente sowie eine aussagekräftige Beweissicherung der Maßnahmen.