Hydrogeologie des Untersberges und des angrenzenden Salzburger Beckens

Markus Reischer1, Bichler Benjamin2, Spötl Christoph3, Höfer-Öllinger Giorgio1, Wyhlidal Stefan4
1 Geoconsult ZT GmbH
2 Geologiebüro Jesacher
3 Institut für Geologie, Universität Innsbruck
4 AIT Austrian Institute of Technology GmbH

O 1.7 in Hydrogeologie alpiner Räume

14.04.2016, 12:15-12:30, Audimax B, Geb. 30.95

 

Das Salzburger Becken bei Grödig und der Untersberg stellen eine wichtige Trinkwasserressource dar. Bisher wurde angenommen, dass es zwischen diesen beiden Aquiferen auch eine Verbindung gibt. Brandecker (1974) vermutete, dass Karstwasser unterirdisch in den Porenaquifer infiltriert. Im Zeitraum von Jänner 2012 bis März 2013 wurde am und um den Untersberg ein umfangreiches Messprogramm durchgeführt. In einem 4-wöchigen Rhythmus wurde an Quellen, Fließgewässern und im Porengrundwasser Messungen der vor-Ort-Parameter sowie Probenahmen zur Analyse der stabilen Isotope (18O, 2H) und für chemische Analytik durchgeführt.

 

Im Porenaquifer des Salzburger Beckens zeigen die stabilen Isotope deutlich die Infiltration der Berchtesgadener Ache bei St. Leonhard. Zudem lässt sich die Infiltration des Rosittenbachs im Bereich Glanegg eindeutig nachweisen. Die vermuteten unterirdischen Karstwasserzutritte sind mit Hilfe der Isotopenanalysen nicht nachweisbar, da die Quellen und Fließgewässer vom Untersberg isotopisch zu ähnlich sind. Abstichdaten verschiedener Grundwassermessstellen zeigten, dass große Änderungen des Grundwasserstandes auch ohne Reaktionen des Karstsystems auf Niederschlagsereignisse möglich sind.

 

Mit Hilfe der δ18O-Werte von Niederschlagsproben wurde ein isotopischer Höhengradient von -0,14 ‰/ 100 m berechnet, welcher die Grundlage für die Abschätzung der mittleren Einzugsgebietshöhe der Quellen war. Für die Fürstenbrunner Quelle ergibt sich eine mittlere Einzugsgebietshöhe von 1800 m. Für das Wasser der Fürstenbrunner Quelle wurde eine mittlere Verweilzeit von ca. 0,4 Jahren berechnet. Gemeinsam mit den sehr konstanten Temperatur- und Leitfähigkeitswerten zeigt dieser Wert im Vergleich zu anderen Karstquellen der Nördlichen Kalkalpen ein unerwartetes Ergebnis.

 

Der Nachweis der Uferfiltration der Berchtesgadener Ache führt zum Schluss, dass - neben Niederschlag - die Berchtesgadener Ache einen Großteil zur Grundwasserneubildung beiträgt. Nimmt man entlang der von Süden nach Norden verlaufenden Grundwasserströmungsrichtung die Berchtesgadener Ache und den Niederschlag als Endglieder einer Zweikomponentenmischung an, so liegen die Isotopenwerte der Messstellen auf einer Mischungsgeraden zwischen diesen beiden Endgliedern. Rechnerisch ergibt sich für die vom Berg weitesten entfernte Hellbrunner Orpheusquelle ein Niederschlagsanteil von über 90 %. Somit ist der Ursprung des Grundwassers, das bei den Hellbrunner Quellen zu Tage tritt, hauptsächlich im lokalen Niederschlag zu suchen. Damit kann ein Zusammenhang mit den Karstquellen vom Untersberg ausgeschlossen werden.

Die graduelle Änderung des Mittelwerts der Isotope bzw. der Leitfähigkeit im Porenaquifer bestätigt die im Grundwassermodell (Höfer et al., 2007) errechneten Fließwege. Mit keiner der verwendeten Methoden konnten eindeutige Hinweise auf eine Infiltration von Karstwasser in den Porengrundwasserkörper nachgewiesen werden.



 

Brandecker, H., 1974. Hydrogeologie des Salzburger Beckens. Steirische Beiträge zur Hydrogeologie 26, 5-39.

 

 

 

Höfer, G.; Heimlich, K.; Müggenburg, K. & Huemer, H. (2007): Das Grundwassermodell der Stadt Salzburg – numerische Modellierung mit Visual ModFlow. In: Marschallinger, R. & Wanker, W. (Hrsg.), Computeranwendungen in Hydrologie, Hydrogeologie und Geologie. Beiträge zur COG-Fachtagung Salzburg 2007. Wichmann.

 



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