Welche Auswirkungen des Klimawandels lassen sich aus Klimaprojektionen für Grundhochwässer in Deutschland ableiten?

Steffen Bender1
1 Climate Service Center Germany

O 7.6 in Grundwasserhochstände - Ursachen und Lösungsansätze

15.04.2016, 15:00-15:15, Plank Hörsaal, Geb. 40.32

 

Im Vergleich zu vielen Regionen der Welt werden die Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland eher moderat ausfallen. Klimaprojektionen zeigen, dass die Temperaturen in der Periode 2017-2100 (im Vergleich zu 1971-2000) um 2,1°C bis 4,1°C steigen, während die jährliche Niederschlagssumme nahezu unverändert bleibt (Jacob et al. 2014). Dennoch wird sich das Risiko für Grundhochwässer erhöhen. Denn trotz nahezu gleichbleibender Niederschlagsumme wird sich die bereits heute schon beobachtete innerjährliche Umverteilung der Niederschläge von den Sommer- zu den Wintermonaten weiter fortsetzen. Dadurch werden sich ebenfalls die jahreszeitlichen Entwicklungen der Grundwasserneubildung sowie der innerjährlichen Verlauf der Grundwasserstände verändern, wodurch sich lokal das Grundhochwasserrisiko erhöht. Zusätzlich wird der Klimawandel zu Veränderungen bei der Vegetation führen, wobei insbesondere Verschiebung und Verlängerung der Vegetationsperiode den Grundwasserhaushalt zusätzlich beeinflussen wird. Dadurch ergibt sich insgesamt eine größere Schwankungsamplitude zwischen hohen und niedrigen Grundwasserständen. Darüber hinaus werden Grundwasserhöchststände früher im Jahr auftreten. Sichere Angaben über Ort, Zeitpunkt und Ausmaß sind auf Basis von Klimaprojektionen jedoch nicht möglich, da sie nur eine in sich schlüssige zukünftige Entwicklung unter gegebenen Randbedingungen des Klimasystems aufzeigen (Rechid et al. 2014). Allerdings kann man davon ausgehen, dass im regionalen und lokalen Maßstab die Herausforderung Grundhochwasser weiter zunehmen wird. Dies gilt auch für Orte, in denen dieses Phänomen bisher keine Beachtung findet.

Wie bei allen Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels sowie im Rahmen des diesbezüglichen Risikomanagements ist es zwingend erforderlich, dass bei der Nutzung von Klimaprojektionen eine möglichst große Schar von Modellsimulationen verwendet wird, da einzelne Projektionen nicht repräsentativ sind und die daraus ableitbaren Trends irreführend sein können. Zur Erarbeitung erfolgversprechender Lösungen müssen ganzheitliche und integrative Ansätze gewählt werden, da der Klimawandel viele unterschiedliche und zum Teil konkurrierende Sektoren und Handlungsfelder betrifft. Dabei gilt es auch wasserwirtschaftlich-relevante Anpassungs-, Sanierungs- oder Instandhaltungsverfahren auf den Prüfstand zu stellen. Diese können, beispielweise wie bei der Sanierung alter Abwassersysteme, ungewollt zu einem dauerhaften Anstieg des Grundwassers führen, was das Risiko eines Grundhochwassers zusätzlich erhöhen kann. Aufgrund des geringen Risikobewusstseins in der Bevölkerung und bei Behörden ist es wichtig, das Thema auch in Verbindung mit den Folgen des Klimawandels weiter in den Fokus zu rücken.



 

Jacob, D. et al. (2014): EURO-CORDEX: new high-resolution climate change projections for European impact research. Regional Environmental Change, Vol. 14, No. 2, p. 563-578.

Rechid, D., Petersen, J., Schoetter, R. & Jacob, D. (2014): Klimaprojektionen für die Metropolregion Hamburg. Berichte aus den KLIMZUG-NORD Modellgebieten, Band 1.



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