Reliktische Blockgletscher als Grundwasserkörper in alpinen Einzugsgebieten - Speichereigenschaften und Entwässerungsdynamik

Gerfried Winkler1, Thomas Wagner1, Marcus Pauritsch1, Andreas Kellerer-Pirklbauer2
1 Institut für Erdwissenschaften, Karl-Franzens Universität Graz
2 Institut für Geographie und Raumforschung, Karl-Franzens-Universität Graz

O 1.3 in Hydrogeologie alpiner Räume

14.04.2016, 10:45-11:00, Audimax B, Geb. 30.95

 

 

Periglaziale Lockersedimente in alpinen Einzugsgebieten wie reliktische Blockgletscher stellen potentielle Grundwasserkörper dar, deren Speicherfähigkeit und Entwässerungsdynamik in den steirischen Niederen Tauern untersucht wurden. Die Untersuchungen umfassen Detailstudien an der Quelle des reliktischen Schöneben-Blockgletschers in den Seckauer Tauern. Des Weiteren wurden im regionalen Maßstab die Auswirkungen dieser Grundwasserkörper auf die darunter liegenden Flusssysteme untersucht. Die Detailstudien beinhalten die Analyse des Quellschüttungsverhaltens, die Auswertung der natürlichen Tracer Wassertemperatur, elektrische Leitfähigkeit und stabile Isotope (18O und 2H) und die Durchführung und Analyse zweier Tracerversuche mit Fluoreszenzfarbstoffen. Zusätzlich wurden mittels geophysikalischer Untersuchungsmethoden die Geometrie des Schöneben-Blockgletschers und seine Schuttmächtigkeit bestimmt, welche in eine numerische hydraulische Modellierung des Blockgletschers eingingen.

Die Untersuchungen am Schöneben-Blockgletscher ergeben ein Abflussverhalten ähnlich dem von Karstquellen mit einer kurzfristig gespeicherten (mehrere Stunden bis Tage) und einer längerfristig gespeicherten (mehrere Monate) Abflusskomponente. In Kombination mit den geophysikalischen Untersuchungen kann auf einen konzeptionellen Aufbau mit einer sehr grobblockigen, mehrere Meter mächtigen Deckschicht (Blöcken bis zu einigen Kubikmetern), einem sandig bis blockigen, hochdurchlässigen Hauptschuttkörper mit mehreren Zehnermeter Mächtigkeit und einer schluffigen bis feinsandigen, geringer durchlässigen Basis mit einer Mächtigkeit bis zu 10 m geschlossen werden. Aufgrund der gering durchlässigen Basisschicht ergibt sich eine hohe Speicher- bzw. Pufferwirkung des Schöneben-Blockgletschers, was eine wasserwirtschaftliche Bedeutung dieser Schuttformen als Wasserspender in Trockenzeiten und als Wasserspeicher bei Starkregenereignissen zur Prävention von Hochwässern bewirkt.

Auf regionalem Maßstab konnte die potentielle Speicher- bzw. Pufferwirkung anhand einfacher Niederschlags-Abfluss Modellierungen untermauert werden. Mehr als 560 blockgletscherverdächtige Formen wurden insgesamt für die steirischen Niederen Tauern ausgewiesen. Mehr als 50% der Seckauer Tauern und ca. 27 % der Niederen Tauern über 2000 m ü.A. entwässern über Blockgletscher. Aufgrund ihrer hydraulischen Eigenschaften und ihrer zahlreichen Verbreitung in den steirischen Niederen Tauern können reliktische Blockgletscher als relevante Grundwasserleiter und folglich als wasserwirtschaftlich bedeutende Speicher-/Puffer ausgewiesen werden.



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