Erkundung und Herkunft einer geogenen Kohlendioxidkontamination eines Thermalsolebades, Bad Nauheim

Ingo Sass1, Rafael Schäffer1
1 Institut für Angewandte Geowissenschaften, FG Angewandte Geothermie, TU Darmstadt

P 3.5 in Bauen und Grundwasser

 

 

Im oberflächennahen Grundwasser Bad Nauheims sind anomal hohe Temperaturen, Salz- und Kohlendioxidkonzentrationen beobachtet worden. Letztere sind auch in der Bodenluft nachweisbar. Der Kontaminationsherd befindet sich im Sprudelhof, einer weltweit einzigartigen Kuranlage im Jugendstil, in dem heute aus zwei Bohrungen aus den Jahren 1838 und 1852 kohlendioxidhaltige Thermalsole aus einer Teufen von 147 m gefördert wird. Der Soleaufstieg erfolgt natürlich durch Gaslift. Zur Erkundung der Kontamination wurde ein Messstellennetz errichtet. Kernstück bilden Duo-Brunnen, in denen eine unabhängige Beprobung des Grundwassers und der Bodenluft möglich sind. Seit zwei Jahren stattfindende Stichtagsmessungen und eine Erkundung der Sprudelfassungen selbst haben ergeben, dass Sole und Kohlendioxid unkontrolliert aus den Fassungen austreten und sich im oberflächennahen Untergrund ausbreiten. Für die zwei obersten Grundwasserstockwerke konnten gut übereinstimmende Sole-Grundwasser-Mischungsverhältnisse sowie Gradienten der Zunahme der Temperatur, Kohlendioxidkonzentration und elektrischen Leitfähigkeit berechnet werden.

Der Beitrag zeigt die komplexe Wechselwirkung zwischen Thermalwasserleiter, tieferem Grundwasserleiter und dem flachen Talauengrundwasserleiter in einer Multiparameterstudie auf und problematisiert verschiedene Sanierungsoptionen.