Die Bedeutung regionaler Betrachtungsweisen für das Verständnis urbaner Grundwassersysteme und lokaler Interaktionsprozesse

Jannis Epting1, Peter Huggenberger1
1 Angewandte und Umweltgeologie, Universität Basel

O 14.3 in Urbane Hydrogeologie

15.04.2016, 14:15-14:30, Audimax B, Geb. 30.95

 

Ein nachhaltiger Schutz urbaner Grundwasserressourcen erfordert ein umfassendes Verständnis der lokalen und regionalen, quantitativen und qualitativen sowie geologischen und hydrogeologischen Zusammenhänge. Aufgrund von Nutzungskonflikten im Zusammenhang mit dem Grundwasser- und Trinkwasserschutz konzentriert sich die Forschung stark auf Untersuchungen von lokalen Interaktionsprozessen zwischen Fliessgewässern und dem Grundwasser. Die Dynamik regionaler Grundwasserfliessregime, welche einen starken Einfluss auf die räumliche Verteilung der Austauschraten zwischen Grundwasserkörpern und den Fliessgewässern haben, wird dabei oft vernachlässigt.

Am Beispiel von verschiedenen Forschungsprojekten in der Region Basel (Schweiz) wird die Relevanz von regionalen Grundwasserfliessregimen aufgezeigt. Aufgrund der geologischen Gegebenheiten (Falten- und Tafeljura) werden Grundwasserkörper häufig durch Felsstufen getrennt. Dadurch entsteht eine komplexe Abfolge von Flussabschnitten, in denen entweder Grundwasser-exfiltrierende oder Flusswasser-infiltrierende Prozesse dominieren. Der zeitlich und räumlich instationäre Charakter der Interaktionsprozesse kann sich während Hochwasserereignissen entlang der Flussabschnitte verschieben, wobei nicht zwangsläufig vermehrt Flusswasser infiltriert, sondern regionale Prozesse der Druckübertragung und Grundwasserexfiltration dominieren können. Auch kann die Interaktion mit Karst- und Kluftsystemen, insbesondere in den Schottergrundwasserleitern im Bereich des Falten- und Tafeljuras, die Qualität des Grundwassers wesentlich beeinflussen.

Ein erweitertes Verständnis über die regionalen und lokalen Grundwasserverhältnisse liefert Grundlagen bei der Lösungsfindung von Nutzungskonflikten und für eine Festlegung von lang-, mittel- und kurzfristigen Zielen hinsichtlich der regionalen Bewirtschaftung von Wasserressourcen.

Oben links: Ausdehnung des urbanen Grundwasserkörpers im unteren Birstal und Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft; Mitte: Hauptgrundwasserstrom mit ganzjährig wassergesättigtem Grundwasserkörper im Bereich des Unterlaufs der Birs, dargestellt zusammen mit der mit Lockergesteinen überdeckten Felsoberfläche, trockenfallenden Bereichen oder Bereichen mit anstehendem Fels sowie den Trinkwasserbrunnen; Rechts unten: Flusslängsprofil entlang der Birs (aus Epting et al. 2015)
Oben links: Ausdehnung des urbanen Grundwasserkörpers im unteren Birstal und Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft; Mitte: Hauptgrundwasserstrom mit ganzjährig wassergesättigtem Grundwasserkörper im Bereich des Unterlaufs der Birs, dargestellt zusammen mit der mit Lockergesteinen überdeckten Felsoberfläche, trockenfallenden Bereichen oder Bereichen mit anstehendem Fels sowie den Trinkwasserbrunnen; Rechts unten: Flusslängsprofil entlang der Birs (aus Epting et al. 2015)



 

 

 

Epting, J., Huggenberger, P., Dresmann, H., Wiesmeier, S., Zea, M., Auckenthaler, A. (2015): Analyse von Grundwasserkörpern mit GIS. GIS-Tool GSIA - Basis für das Prozessverständnis der Interaktion von Grundwassersystemen. AQUA & GAS No 7/8, p. 72-79.  

 

 



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