Kanalbau im Heilquellenschutzgebiet am Beispiel Bad Kissingen - Eine komplexe Aufgabe in Planung und Bauausführung

Dominik Richter1, Verena Herrmann1, Hubert Hansel1, Dietmar Johannsen1, Thomas Hornung2
1 GMP-Geotechnik GmbH & Co. KG, Beratende Ingenieure und Geologen
2 Stadt Bad Kissingen - Tiefbau, Bad Kissingen

O 3.6 in Bauen und Grundwasser

15.04.2016, 12:00-12:15, Audimax B, Geb. 30.95

Kurzfassung:

Die Stadt Bad Kissingen plant in der historischen Altstadt die Sanierung von Regenwasserkanälen, einer Bachverrohrung sowie von Abwasserkanälen aus dem Jahr 1890. Die Nutzung von drei der insgesamt sieben Heilquellen erfolgt unmittelbar angrenzend zur Altstadtbebauung. Die Altstadt von Bad Kissingen liegt in der qualitativen und quantitativen Schutzzone der Heilquellen. Die älteste Heilquelle „Maxbrunnen“ wurde erstmals 1520 erwähnt und nach der Neufassung im Jahr 1815 nach dem bayerischen König Max I. benannt.

Die Bestandskanäle liegen bereichsweise im Grundwasser; durch Beschädigungen und Leckagen läuft dieses den Kanalleitungen zu, so dass sich eine dauerhafte Grundwasserabsenkung ergibt. Gleichzeitig bestehen Wechselwirkungen mit dem Schmutzwasser aus dem Mischwasserkanal. Um den Grundwasser- und Heilquellenschutz zukünftig sicherzustellen, ist eine Sanierung erforderlich.

Im Rahmen der Sanierung werden bestehende Kanäle neu gebaut oder mittels Inlinerverfahren abgedichtet. Durch diese baulichen Maßnahmen werden die Grundwasserverhältnisse im Stadtgebiet verändert. Mit der Abdichtung der Kanäle und dem Einbau von wasserundurchlässigem Material in den Kanalgräben werden die bislang bestehenden Wechselwirkungen im Umfeld verändert und somit die Druckverhältnisse im Grundwasserleiter beeinflusst. Aus historischen Aufzeichnungen zur Kanalbaumaßnahme aus dem Jahr 1890, bei der die Kanalgräben in offener Bauweise errichtet wurden, ist bekannt, dass eine Veränderung der Druckverhältnisse zu einer Änderung der Mineralisation der Heilquellen führt.

Um die Verhältnisse im Stadtgebiet zu erhalten und um Setzungsprobleme durch geänderte Grundwasserverhältnisse in sehr strukturempfindlichen Böden (Torfe und stark verwitterte Wiesenkalke) zu vermeiden, wird ein Grundwasserregulierungssystem geplant und im Rahmen der Sanierung bzw. Kanalerneuerung eingebaut.

In Drainageleitungen, die im Zuge der Verlegung der neuen Kanalrohre in den Leitungsgräben eingebracht werden, wird das Grundwasser gesammelt und in eigens errichtete Schächte abgeleitet. Die Entwässerung der Grundwasserregulierungsschächte erfolgt niveaugeregelt über einen Zentralschacht.

Mit der Installation des Grundwasserregulierungssystems sollen die Veränderungen der Druckverhältnisse vermieden und – falls erforderlich - angepasst gesteuert werden. Die vorgenannten Maßnahmen dienen der Sicherstellung des Heilquellenschutzes unter dem Gesichtspunkt der erforderlichen Modernisierung des Kanalsystems.



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