Grundwasserfauna in Festgesteinsaquiferen - ein interdisziplinärer Ansatz in der Grundwasserforschung

Sylke Hilberg1, Ursula Eisendle-Flöckner2
1 Fachbereich Geographie und Geologie, Universität Salzburg
2 Fachbereich Zellbiologie, Universität Salzburg

O 6.4 in Groundwater biology

15.04.2016, 11:30-11:45, Plank Hörsaal, Geb. 40.32

 

In den meisten Festgesteinen ist die Wasserzirkulation im Wesentlichen an Trennflächen wie Klüfte, Störungen, Schieferungs- oder Schichtflächen gebunden und damit von der Kluftporosität eines Gebirges abhängig. Die hydrogeologische Erkundung umfasst hier geologisch-strukturgeologische und hydrogeologische Kartierungen und die Erfassung von Zeitreihen der physio-chemischen Parameter sowie der Quellschüttung oder der Wasserstände in Grundwassermessstellen. Auf Grund komplexer und oft nur ungenau bekannter geologischer Strukturen ist die Dateninterpretation häufig mit Unsicherheiten behaftet.

Tierische Organismen in Karstgrundwasserleitern wurden bereits im 16. Jahrhundert beobachtet. In den vergangenen gut drei Jahrzenten wurden umfangreiche Forschungen zur Grundwasserfauna in Porenaquiferen durchgeführt. Aus den bisherigen Untersuchungen in diesen beiden Aquifertypen ist bekannt, dass die chemische Zusammensetzung von Grundwässern, vor allem deren Nähr- und Sauerstoffgehalt, die Fließgeschwindigkeiten und die Beschaffenheit der Hohlräume innerhalb eines Aquifers wesentlichen Einfluss auf die Organismengemeinschaften im Grundwasser nehmen. Als Spiegel ihrer Lebensräume können diese Gemeinschaften damit wiederum zu idealen natürlichen Indikatoren für Habitatbedingungen und damit für Aquifereigenschaften werden.

Mit dem Fokus auf Fragestellungen in Kluftaquiferen stellt die Präsentation eine systematische Verknüpfung hydrogeologischer Rahmenbedingungen mit den im Grundwasser vorkommenden Tieren vor. Der faunistische Schwerpunkt liegt auf der Tiergruppe der freilebenden Nematoden, die in nahezu jedem hydrogeologischen Setting vorkommen und anders als die gut untersuchten Grundwasser-Crustacea, keine eingeschränkten geographischen Verbreitungsmuster aufzuweisen scheinen.

Im Vortrag werden erste Ergebnisse aus lithologisch unterschiedlichen Festgesteinsaquiferen im alpinen Raum präsentiert. Daneben werden einige Erfahrungen der Autorinnen zu den speziellen Anforderungen an Probenahmestellen und -techniken erläutert. Bereits bei der Planung und Durchführung von Probenahmen zeigen sich die Herausforderungen einer interdisziplinären Arbeit. So ist für eine Grundwasserfauna-Probenahme ein grundsätzlich anderer Ansatz zu wählen als es für eine Grundwasser-Probenahme für hydrochemische Fragestellungen der Fall ist.

Der interdisziplinäre Ansatz kann sowohl für die Hydrogeologie als auch für die Grundwasserbiologie wesentliche Fortschritte liefern. Einerseits kann die Erweiterung des Methodenspektrums um biologische Parameter einen wesentlichen Fortschritt in der Festgesteinshydrogeologie liefern, andererseits kann die Einbeziehung geologischer und hydrogeologischer Faktoren bei der Interpretation der detektierten Organismengemeinschaften zu einem verbesserten biologischen Verständnis dieser speziellen Lebensräume beitragen.



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