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AK 08: Geographie und Prozesse der Entscheidungsfindung (DGfG-AK in Gründung)

Mittwoch, 03.10.2007: 14:00-18:00 Uhr, S 82, NW II

Joris Ernest Van Wezemael (Zürich) und Marc Zaugg Stern (Zürich)

Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik greifen angesichts der wachsenden Komplexität von individuellen und kollektiven Entscheidungen vermehrt auf Expertenwissen aus den Sozial- und Naturwissenschaften zurück. Im Verlauf der 1990er Jahre haben beratende Dienstleistungen sowohl ein Mengenwachstum als auch eine Ausdifferenzierung erfahren. Beide Entwicklungen können im Kontext der sich formierenden Wissensgesellschaft als nachhaltig eingeschätzt werden. Der für Absolventen eines Geographiestudiums relevante Arbeitsmarkt wurde hierbei vergrößert, wobei vor allem die wirtschafts- und planungsnahen humangeographischen Bereiche sowie die methodisch orientierten Fachgebiete profitieren. Die von Anthony Giddens (1984) formulierte Denkfigur der doppelten Hermeneutik – der beständige Austausch wissenschaftlicher Konzepte und lebensweltlicher Begrifflichkeit – findet in der Verbreitung sozial- und wirtschaftsgeographischen Fachwissens eine beinahe mustergültige Umsetzung: Handlungs- und Orientierungswissen fließt in die von der wissenschaftlichen Geographie reflektierten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Sphären zurück. Die „beforschte“ Praxis setzt sich ebenfalls – manchmal durchaus kritisch – mit den Problemperzeptionen, Fragestellungen, Instrumenten und Resultaten geographischer Analysen auseinander und gibt dadurch Hinweise auf die Relevanz, die sie letzteren beimisst. Der Arbeitskreis setzt sich mit der Rolle der Geographie an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik, Ökonomie und Gesellschaft auseinander und bezweckt eine Stärkung der akademischen Geographie in zwei Bereichen:
• Zum einen sollen Entscheidungsfindungen als Forschungsobjekt expliziert und fachbereichsübergreifend thematisiert werden. Hierbei bildet die Verknüpfung von wirtschafts- und sozialgeographischen Debatten über individuelle und kollektive Entscheidungsfindung ein vorrangiges Anliegen.
• Zum anderen soll die Stärkung der analytischen Fähigkeiten im Bereich kollektiver und individueller Entscheidungsfindung angemessen in die Lehre einfließen. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit den jeweiligen Mechanismen und Hintergründen von Entscheidungsfindungsprozessen in spezifischen gesellschaftlichen Kontexten bietet die Basis dafür, dass die Abgänger eines (Wirtschaftsund Sozial-)Geographiestudiums längerfristig als Entscheidungsträger oder -berater in komplexen, herausfordernden Bereichen tätig sein und das Bild einer modernen, reflektiven und lösungsorientierten Geographie verbreiten können.
Der Arbeitskreis bietet eine Plattform für die Diskussion theoriegeleiteter Analysen von empirisch analysierbaren Entscheidungsprozessen in den Bereichen Politikdefinition und -vollzug, Planung, Projektmanagement und Ökonomie. Im Rahmen einer öffentlichen Arbeitskreissitzung am Geographentag 2007 soll der Stand der Debatte vorgestellt und kritisch diskutiert werden. Es ist geplant, die geeigneten Referate und die Resultate der Diskussion in einer anerkannten Fachzeitschrift mit internationalem Gutachterverfahren zu publizieren. Entsprechende Abklärungen wurden getätigt.

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