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LT AA.2: Schleichende Katastrophen

Mittwoch, 03.10.2007: 08:30-11:30 Uhr, H 17, NW II

Hans-Rudolf Bork (Kiel)
hrbork@ecology.uni-kiel.de
Ludwig Zöller (Bayreuth)
ludwig.zoeller@uni-bayreuth.de


Landschaften wandeln sich beständig. Exogene und endogene natürliche Prozesse sowie anthropogene Einflüsse und Eingriffe veränderten allmählich, oftmals von den Bewohnern vollkommen unbemerkt, über Jahrzehnte, Jahrhunderte oder Jahrtausende Merkmale von Landschaften. Die gelegentlich resultierenden, sozialen und ökonomischen Katastrophen für die Bewohner waren und sind oftmals unbeabsichtigt, unerwartet und schwer einschätzbar. Sie wirkten in der Vergangenheit bevorzugt lokal und regional. Im 20. Jahrhundert nahmen aber die räumlichen Auswirkungen in einem gravierenden Maße zu.

Die Nutzung von Landschaften modifizierte deren Wasserhaushalt, Stoffhaushalte und die Bodenfruchtbarkeit. Die Rodung von Wäldern veränderte den Wasserhaushalt, ließ den Grundwasserspiegel ansteigen, Oberflächenabfluss und Hochwässer entstehen. Nutzungsbedingt vernässende Flächen mussten melioriert und Siedlungen verlegt werden. Heute wird in den Auen und an den Küsten wohlhabender Staaten der Schutz der Anlieger vor vermeintlichen Naturkatastrophen (langfristig wirksam?) verstärkt. Böden und Gewässer werden hier (langfristig wirksam?) gesetzlich geschützt. In anderen Regionen verschlechtern sich die Nutzungsmöglichkeiten beständig. Auf der Zeitskala einer menschlichen Generation schleichende, auf geologischen Zeitskalen aber abrupte Klimaänderungen überlagern oder steuern gar Nutzungsänderungen.

Flächenhafte Bodenerosion wurde und wird von Landnutzern ermöglicht. Die vollständige Abtragung flachgründiger Böden beendet die agrarische Landnutzung. Die resultierende Verknappung der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche durch Bodenzerstörung ist in vielen Regionen der Erde ein zentrales und dennoch von den Entscheidungsträgern weitgehend verkanntes Problem.

Der in vielen Landschaften der Erde mittlerweile zahlreiche Jahrzehnte währende Einsatz von Mineraldünger auf agrarisch genutzten Flächen bewirkte Nährstoffüberschüsse und Nährstoffeinträge in zuvor oftmals nährstoffarme Feuchtgebiete. An oligotrophe Bedingungen angepasste Arten verschwanden. Menschen verändern die Artenvielfalt einer Landschaft beständig. Landschaftsfremde Arten wurden und werden gezielt oder ungewollt eingeführt. Konkurrenzstarke Arten verdrängen zunehmend seltene Arten.

Gemeinsam ist den genannten Veränderungen - und zwar völlig unabhängig vom jeweiligen politischen System - die drastische Veränderung der Landschaften der Erde im 20. Jahrhundert durch den Wandel ihrer Strukturen und Nutzungen.

Existieren Schwellenwerte, die die zusammenfassend beschriebenen schleichenden Veränderungen abrupt in Katastrophen wandeln? Bewirkt eine abrupte Änderung den Übergang von einem in den nächsten Gleichgewichtszustand? Oder besteht ein permanenter Wandel, der schleichend beschleunigt wird? Welche komplexen Rückkopplungen bestehen zwischen den handelnden Personen in einer Landschaft, der resultierenden Landnutzung, der Dynamik der Wasser- und Stoffkreisläufe, der Böden und des Reliefs? Kann das Studium von Archiven der Vergangenheit eine Antwort geben?

08:30-08:35 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
08:35-09:00 UhrBarbara Zahnen (Berlin): Schleichende Risiken als geographisches Problem der Zeit

Schleichende Risiken sind ein Problem der Zeit. ...mehr
09:00-09:25 UhrHans von Suchodoletz (Bayreuth): Die mittel- bis jungholozäne Austrocknung der Sahara im Spiegel kanarischer Staubniederschläge - Fluch und Segen

Die mittel- bis jungholozäne Austrocknung der Sahara im Spiegel kanarischer Staubniederschläge. ...mehr
09:25-09:45 UhrDiskussion
09:45-10:10 UhrPause
10:10-10:35 UhrMarkus Dotterweich (Landau): 5000 Jahre Bodenzerstörung im Südosten der USA - Indianische versus europäische Landnutzung in einer sensitiven Landschaft

Ursachen und Folgen von 5000 Jahren Landnutzung im Südosten der USA. ...mehr
10:35-11:00 UhrJörg Völkel (München): Das radioökologische Gedächtnis von Landschaftsökosystemen - die Lehren aus Atomwaffentests und dem Reaktorunfall von Tschernobyl

Das radioökologische Gedächtnis von Landschaften nach Atomwaffentests und dem Tschernobylunfall. ...mehr
11:00-11:20 UhrDiskussion
11:20-11:25 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
11:25-11:30 UhrWechselzeit


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