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FS 51: Visuelle Geographien: Bilder, Metaphern und Szenarien von Natur und Kultur

Samstag, 29.09.2007: 16:00-19:00 Uhr, H 12, NW I

Antje Schlottmann (Jena)
Antje.Schlottmann@uni-jena.de
Birgit Stöber (Frederiksberg)
bst.ikl@cbs.dk


Die "Wendung zum Bild" ist keine wissenschaftliche Randerscheinung mehr. Die Aufmerksamkeit für den Einsatz und die Funktion von Visualisierungen sowie eine "Verführung des Denkens" durch Bilder ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen, und so wird inzwischen auch in der Geographie von einem "pictorial turn" oder "iconic turn" gesprochen. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Rede vom "Krieg der Bilder" (Irak, Palästina), in Produkten des Image-Marketings von Städten, Regionen und Landschaften ("Bilderbuch Deutschland") oder in der Erzeugung von (Natur-) Katastrophenszenarien (Roland Emmerichs "The day after tomorrow") wird die weltbildende und kulturschaffende Kraft geographischer Visualität offenkundig. Ihre enge Bindung an Formen öffentlichkeitswirksamer (massen)medialer Kommunikation wird bereits aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven diskutiert, wobei auch die von der Geographie selbst produzierten analogen, digitalen und mentalen Bildwelten mit ihrer Eigendynamik vermehrt Gegenstand kritischer Reflexion werden.

In der Fachsitzung soll die Bildhaftigkeit der Kommunikation als Forschungsgegenstand der Geographie diskutiert werden. Räume und Orte, so die grundlegende Annahme, werden in und durch bildhafte Kommunikation erzeugt, sie fungieren als Träger und Spiegelbilder gesellschaftlicher Bedürfnisse. Dabei scheinen zunächst visuelle Codierungen im engeren Sinne (Photographien, Gemälde, Grafiken, Logos und Karten) bedeutend zu sein. Doch auch die gesprochene und geschriebene Sprache verwendet Bilder, insbesondere Metaphern, als kontrasterzeugende Momente, die in die Betrachtung mit einbezogen werden sollen. In diesem weiten Sinne sind geographische Bilder Mittel und Ausdruck der symbolischen (Um-)Weltaneignung und der (routinierten und habitualisierten) Performanz von Raum und Räumlichkeit. Das visualisierte Idyll vom Häuschen im Grünen auf Werbeplakaten von Bausparkassen gehört ebenso dazu, wie der metaphorische Slogan "Draußen Zuhause" der Natursport-Bekleidungsindustrie. Wissenschaftliche Bilder des Erdraumes sind ebenso eingeschlossen wie alltägliche Sprachbilder des Naturschutzes ("Alpen in Not", "die Natur schlägt zurück").

Vor diesem Hintergrund eröffnen sich zunächst eine Reihe von Fragen: Wie kann der Begriff des "geographischen Bildes" theoretisch differenziert und analytisch zugänglich gemacht werden? Welche Konzeptualisierungen (kunstgeschichtlicher, linguistischer und anderer Herkunft) erweisen sich als tragfähig? Welche gesellschaftliche(n) Funktionalität(en) haben "geographische Visiotype"? Inwieweit können Raum-Bilder Bedeutung erlangen und "wirklich" werden, etwa indem sie Handlungsorientierungen bereitstellen, als Argumente dienen, Verantwortlichkeiten schaffen oder Legitimation herstellen? Wie sind (Sprach-)Bilder in geographisch relevante Praxisfelder wie Tourismus, Raumplanung oder Natur- und Landschaftsschutz eingebettet?

16:00-16:05 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
16:05-16:30 UhrJudith Miggelbrink (Leipzig): Raum, Bild, Visualität - Visuelle Geographien der Alltagswelt als Gegenstand humangeographischer Forschung

Womit sollte sich eine humangeographische Analyse visueller Geographien auseinandersetzen? ...mehr
16:30-16:55 UhrClaudia Wucherpfenning (Frankfurt/M.): Von Sintfluten, Furien und Killerwellen. Natur- und Menschenbilder in geographischen und populärwissenschaftlichen "Katastrophen"-Darstellungen

Im Zentrum stehen Natur- und Menschenbilder, die in "Naturkatastrophen"-Repräsentationen hervorgebracht werden. ...mehr
16:55-17:15 UhrDiskussion
17:15-17:40 UhrPause
17:40-18:05 UhrHellmut Fröhlich (Aachen): New York, das ist Woody Allen und Scorsese! Über den Zusammenhang von filmischen Stadtdarstellungen und alltäglichen Raumvorstellungen

Wie lassen sich die Einflüsse von Filmen auf alltägliche Raumvorstellungen theoretisch erfassen und empirisch erschließen? ...mehr
18:05-18:30 UhrKathrin Hörschelmann (Durham): Verständnisgrenzen - Reflektionen zur Anwendung visueller Methoden

Möglichkeiten und Grenzen visueller Methoden in der qualitativen Forschung. ...mehr
18:30-18:50 UhrDiskussion
18:50-18:55 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
18:55-19:00 UhrWechselzeit


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