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FS 19: Geographie der Intersektionalität

Sonntag, 30.09.2007: 08:30-11:30 Uhr, H 20, NW II

Sybille Bauriedl (Hamburg)
bauriedl@geowiss.uni-hamburg.de
Judith Miggelbrink (Leipzig)
J_Miggelbrink@ifl-leipzig.de


Soziale Kategorisierungen werden als selbstverständliche Gegebenheiten verstanden. Die Diskussionen der letzten Jahre haben gezeigt, dass dies weder in alltagspraktischen Zusammenhängen noch im analytischen Gebrauch der Fall ist. Vielmehr schreiben soziale Kategorisierungen Differenzen als legitim fest und erzeugen in dieser Praxis erst die sozialen Grenzen, von denen sie sprechen. Im Mittelpunkt einer sozialwissenschaftlichen Betrachtung stehen daher Normativität, scheinbare Eindeutigkeit sozialer Referenzsysteme sowie deren welt- und gesellschaftsstrukturierende Wirkungen. Letztere resultieren aus ihrem Charakter als "soziale Attributionsurteile" (Bourdieu). Denn soziale Grenzziehungen sind gleichermaßen konstativ wie normativ, bedeutungsvoll und raumerzeugend.

Die Analyse sozialer Kategorisierungen hat daher eine wesentliche geographische Relevanz. Sie korrespondieren mit zahlreichen räumlichen Konstrukten, die durch Organisationen öffentlicher und privater Art konstituiert und abgesichert sind. Das kann die Regierung als der "Ort der Staatsmacht" sein, aber auch die Familie als "Ort der personalen Reproduktion" oder der Körper als "Ort der personalen Identität". Auch die Differenzierung von öffentlicher und privater Sphäre ist eine Matrix, die soziale Kategorisierungen erzeugt und diese gleichzeitig legitimiert.

Soziale Kategorisierungen wirken jedoch nicht additiv aufeinander, sondern sind miteinander verschränkt. "Intersektionalität" ist der begriffliche Rahmen, der diesen Zusammenhang benennt. Die analytische Perspektive entstammt der feministischen und postkolonialen Theoriebildung der 1980er Jahre und wird mittlerweile als Modell sich verschränkender Unterdrückungsverhältnisse primär in der Soziologie diskutiert. Intersektionalität - im deutschen Kontext auch als Durchkreuzung übersetzt - untersucht die Knotenpunkte unterschiedlicher Machtachsen sozialer, geschlechtlicher und kultureller Kategorisierungen (Zweigeschlechtlichkeit, Heterosexualität, ethnische Stereotypisierungen, sozialer Status) und vertritt ein vieldimensionales und dynamisches Machtverständnis. Die Herausbildung von Subjektpositionen, sozialen Beziehungen sowie kulturellem und wissenschaftlichem Wissen sind zentrale Themen. Anwendungsbezüge findet das Konzept der Intersektionalität in Bereichen der Stadt-, Migrations- und Arbeitsmarktforschung.

Die Sitzung bietet die Möglichkeit zur Diskussion empirischer und konzeptioneller Beiträge, die den Nexus von sozialer Kategorisierung (Produktion, Stabilisierung, Konflikt) und "Raumproduktion" aufarbeiten.

Folgende Schwerpunktsetzungen sind gewünscht:

08:30-08:35 UhrEinführung durch die Sitzungsleitung
08:35-09:00 UhrPascale Herzig (Neuhausen): Veränderung sozialer Grenzen und Identitäten, illustriert am Beispiel der asiatischen Minderheit in Kenya

Die Präsentation stellt eine mögliche theoretische Konzeption von Intersektionalität vor. ...mehr
09:00-09:25 UhrAnke Strüver (Münster): Fit oder fett - der Körper(-kult) als sozialräumliches Distinktionsmerkmal

Verschränkung von Sportlichkeit und Körper-"Idealen" mit sozialen Kategorien zum Aufbrechen machtgeladener Raumstrukturen. ...mehr
09:25-09:45 UhrDiskussion
09:45-10:10 UhrPause
10:10-10:35 UhrPascal Goeke (Frankfurt/M.): Paradoxe Missionen der Kroatischen Mission. Oder wie irdische Leben und religiös-nationale Imagos in Streit geraten

Intersektionale und transnationale Adressierungen von Migranten aus einer systemtheoretischen Perspektive. ...mehr
10:35-11:00 UhrBettina Büchler (Bern): Doing identities. Raumwahrnehmungen und -aneignungen nicht-hetero-sexueller Frauen mit Migrationshintergrund in der Schweiz

Beitrag zur Intersektionalitätsdebatte anhand Alltagspraxen nicht-heterosexueller Migrantinnen in der Schweiz. ...mehr
11:00-11:20 UhrDiskussion
11:20-11:25 UhrRésumé durch die Sitzungsleitung
11:25-11:30 UhrWechselzeit


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